Gärtnern im Rhein-Lahn-Kreis: Das Problem, über das keiner spricht!
Wir haben 2021 unser Altbauhaus mit großem Garten in Nassau gekauft und für mich war gleich klar: hier wird Gemüse angebaut. Ich sah die üppigen Tomatensträucher, Zucchini, breit rankenden Gurkenpflanzen und Regale voller eingekochter Tomatensoße schon vor mir. Beim Blick auf und in den Boden kam der Dämpfer: Wir haben es hier nämlich mir Schieferverwitterungsboden zu tun. Schiefer was? Ein Boden, der dich erstmal freundlich auslacht, wenn du mit Tomatenplänen ankommst. Steine. Viele Steine. Und dazwischen irgendwo Erde. Ist Gärtnern im Rhein-Lahn-Kreis damit zum Scheitern verurteilt?
Wohl kaum! Wenn ich mir nämlich die Gärten entlang der Lahn oder in den Hängen genauer ansehe, entpuppen sich viele davon als üppige Nutzgärten. Herausforderung angenommen!
Vom Niederrhein her gezogen, waren wir bisher humusreiche, satte Auenböden gewohnt. Dieses Jahr stellen wir uns der Herausforderung und arbeiten schon seit Wochen am zukünftigen Gemüsegarten – per Hand, ohne Fräse, ohne schweres Gerät. Ein Hanggrundstück, das uns körperlich einiges abverlangt. Wir kämpfen uns aktuell durch hartnäckige Brombeersträucher, die hier als invasive Art wachsen. Einzige Lösung: konsequent ausgraben – Wurzel für Wurzel.
Zwischendurch stoßen wir immer wieder auf große Schieferplatten. Immerhin: Die lassen sich später im Garten sehr gut weiterverwenden. Das Fitnessstudio haben wir 2021 also gleich mitgekauft. Und was hat es nun mit dem Boden auf sich?
Was braucht dieser Boden eigentlich?
Keine Ahnung war der erste Gedanke. Wie beim Hauskauf und der anstehenden Sanierung.
Kernsanierung? Kein Plan.
Garten anlegen? Klar, bisschen Erde, bisschen Pflanzen – wird schon.
Geologie der Region? Klingt nach Schulunterricht, den man erfolgreich verdrängt hat.
Heute weiß ich: Das war… optimistisch.
Der Boden ist hart, trocken, voller Bruchstücke und alles andere als das, was man sich unter einem schönen Gemüsegarten vorstellt. Wenn es länger nicht regnet, wird er oben staubig und darunter betonhart. Wenn es regnet, läuft das Wasser einfach weg.
Heißt konkret: Ohne Bodenverbesserung gedeiht hier kaum erntereifes Gemüse. Ist Gärtnern im Rhein-Lahn-Kreis damit zum Scheitern verurteilt? Nein. Und gleich aufgeben und hinschmeißen für uns sowieso keine Option.
Bevor wir hier weiter in Ahnungslosigkeit arbeiten, sollten wir erstmal verstehen, womit wir es eigentlich zu tun haben.
Denn „Erde ist Erde“ gilt hier definitiv nicht.
Was braucht dieser Boden eigentlich?
Dank den Informationen auf der Seite des Naturpark Nassau wissen wir nun ein wenig mehr. Der Naturpark Nassau liegt geografisch im Naturraum Rheinisches Schiefergebirge, mit häufig sehr steinigen, nährstoffarmen Böden aus verwittertem Schiefer.
Die Gesteine hier stammen vorwiegend aus dem Devon (vor 360–400 Millionen Jahren) – vor allem Tonsteine, Grauwacken und tiefverwitterte Schiefer. Klingt für Laien erstmal beeindruckend aber in der Praxis heißt das: Die Oberböden sind stein- und geröllreich, eher flachgründig, mit tendenziell niedrigem pH-Wert (teils sauer). Diese Verwitterungsböden des Schiefers speichern nur wenig Wasser und besitzen wenig Nährstoffe.
Wer es genau wissen will, kann seinen Boden analysieren lassen, zum Beispiel bei der LUFA Speyer. Dort können Bodenproben eingeschickt und auf verschiedene Werte analysiert werden. Kostenpunkt um die 20€ je nach gewünschtem Aufwand.
Standard ist die Analyse von Stickstoff, Phosphor, Kali, Magnesium, pH-Wert und Humusgehalt. Die Gartenakademie RLP empfiehlt Hobbygärtnern, alle 3–5 Jahre eine solche Analyse zu machen.
Zeigt eine Analyse eventuelle Defizite. Dann hilft eine gezielte Düngung mit organischem Dünger oder Mineraldünger, sobald die Werte bekannt sind. Wir müssen da also ran und dem Boden auf die Sprünge helfen. Sonst wächst hier außer der nächsten Brombeere gar nix.
Bodenart bestimmen: Fühltest: dafür den Boden zwischen Fingern verreiben. Ist er sehr sandig/krümelig oder klebrig-tonig? Oder macht ein simples Schüttelverfahren im Glas („Bodensedimentanalyse“). Klar ist: Durch Schieferbruch findet man viel Sand und Kies, aber auch Ton- und Lehmpartikel.
Humusgehalt: Ein niedriger Gehalt ist typisch. Ziel ist, kontinuierlich Humus aufzubauen: Das verbessert Wasserhalte- und Nährstoffspeicher.
Durch den gezielten Aufbau von Humus und die Wahl der richtigen Kulturen können Schieferverwitterungsböden zu sehr produktiven Gartenböden werden. Los gehts!
Nicht so schnell. Bei uns kommt neben och die Hanglage dazu. Nassau hat eigentlich ein recht angenehmes Klima – warme Sommer, ausreichend Niederschlag. In Hanglage treten allerdings starke Drainageeffekte auf – Regen rinnt hier schnell ab. Gleichzeitig kann die oberste Schicht im Sommer austrocknen und steinhart werden. Auf unseren südlich ausgerichteten Garten scheint die Sonne unbarmherzig.

Was tun wir uns da nur an?
Der Hang erfordert zunächst eine Terrassierung. Bevor es nach der Rodung der Brombeeren also an den Boden geht, steht der Bau flacher Terrassen an auf denen dann die Beete und hoffentlich eine üppige Ernte entstehen. Jede Terrasse wird etwa 1,5 m breit sein (mehr gibt meine Armlänge einfach nicht her). Und den Zaun dürfen wir nicht vergessen. Hier wohnt ein großer gefräßiger Hund!



Unsere ersten Maßnahmen
Danach werden wir den Boden mit Kompost und Stallmist versorgen. Kompost ist das wichtigste Bodenverbesserungsmittel. Verteilt im frühen Frühjahr oder Herbst (5–10 l/m²) erhöht Kompost den Humusgehalt, verbessert Krümelbildung und Wasserspeicher. Idealerweise nutzt man selbst hergestellten, reifen Kompost aus Garten- und Küchenschnitt. Zusätzlich kann Garten- bzw. Stallmist (verrottet) eingebracht werden. Vor allem Gemüsebeete mit Starkzehrern profitieren davon. Wir entscheiden uns dieses Jahr vor allem für Stallmist. Damit habe ich bereits im Garten unserer damaligen Mietwohnung sehr gut Ergebnisse erzielt.
Gründüngung: In kühleren Monaten (Herbst bis Frühling) werden wir auf die Flächen stickstoffbindende Leguminosen (z.B. Klee, Lupinen, Gelbsenf ) säen. Diese Wicken- oder Kleearten zersetzen sich und reichern den Boden mit Stickstoff an, außerdem verbessern ihre Wurzeln das Porenvolumen.
Wasserhaushalt: Hange unterliegen oft ungleichmäßiger Feuchte (oben zu trocken, unten zu nass). So auch hier der Fall. Wir haben zwei Zisternen um Niederschläge zu sammeln. Idealerweise werden wir eine Bewässerungsleitung installieren, um den Gartenschlauch nicht ständig hochziehen zu müssen. Tröpfchenbewässerung könnte für uns auch eine Option sein. Soweit sind wir aber noch nicht.
Was tun wir uns hier eigentlich an?
Die Antwort:
Ziemlich viel Arbeit.
Aber auch: ein spannendes Projekt. Ich halte euch auf dem Laufenden.
Annemarie Imgrund
Fotos © 2026 by Annemarie Imgrund






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