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Landwirtschaft im Nebenerwerb im Rhein-Lahn-Kreis – ein Portrait

Spoiler: Nur mit Leidenschaft und tiefgehender Überzeugung ist es möglich, dauerhaft in der Landwirtschaft – nicht nur im Nebenerwerb – zu bestehen!

Frauen sind oft mit einer besonders hohen Arbeitsbelastung konfrontiert.

Landwirtschaft im Nebenerwerb?! Was bedeutet das denn überhaupt? Für die Familie, für die Kinder und die Landwirte selbst? 

Nebenerwerb? Das klingt nach: „So nebenbei eben – irgendwie.“  Ob DAS wirklich SO für Landwirte im Nebenerwerb Realität ist und gilt, das schauen wir uns hier genauer an!

Am Ende des Artikels findet der interessierte Leser Zahlen, Daten und Fakten zur Landwirtschaft im Nebenerwerb .

Nach vielen Gesprächen, Interviews und Treffen mit Landwirten und deren Familien im Nebenerwerb im Rhein-Lahn-Kreis in den vergangenen 20 Jahren stellt sich ein limitierender und alles bestimmender Faktor heraus: Zeit!

Das Leben und Arbeiten der Menschen in der Landwirtschaft, ganz gleich ob im Neben- oder Haupterwerb, wird vom Jahres- und Witterungsverlauf bestimmt. Darauf hat kein Landwirt Einfluss! Reagieren ist gefragt, anstatt agieren zu können!

IMG_0877-scaled Landwirtschaft im Nebenerwerb im Rhein-Lahn-Kreis - ein Portrait
Aktuell läuft die Heuernte an vielen Orten im Rhein-Lahn-Kreis und der Drusch der Wintergerste steht bevor

Das Getreide kann erst gedroschen werden, wenn es reif ist. Die Kuh kalbt nicht immer nach Plan. Die Muttersau ebenso wenig. Die Bestellung der Äcker kann nur bei „passendem“ Wetter erfolgen – im Frühjahr wie im Herbst. Das Heu ist gemäht, fast trocken, und es droht ein Gewitter – jetzt wird es hektisch, oft für die gesamte Familie. Gleiches gilt während der gesamten Ernte.

In wettertechnisch gesehen schwierigen Jahren regiert der Zeitdruck, nicht der Landwirt! Er muss auf das Wetter reagieren um seine Ernte so gut wie möglich einzubringen – immer wieder und Jahr für Jahr. 

DAS muss man dauerhaft aushalten können. Dazu braucht es gute Nerven und jeden Tag wieder den festen Willen, sich allen Herausforderungen und Überraschungen zu stellen. Dazu kommen z. B. noch aktuell hohe Energie- und Düngerpreise, ständig steigende Anforderungen in Sachen Umweltschutz, zeitaufwendige Dokumentationspflichten und vieles mehr!

Im Grunde ist die Landwirtschaft – auch im Nebenerwerb! – ein anstrengender und stark fordernder Ganzjahresjob. 

Landwirtschaftliche Betriebe im Nebenerwerb sind oft Familienunternehmen, die zusätzlich zu den sich ihnen stellenden Herausforderungen noch die Direktvermarktung ihrer Produkte betreiben und ausbauen, um ein vernünftiges Betriebsergebnis zu sichern. Das braucht zusätzlich Zeit! Zeit, die oft nicht wirklich da ist und deshalb irgendwo abgezwackt wird. Meistens zu Lasten des Familienlebens, der Erholung und damit der Lebensqualität. Arbeitstage mit 12 Stunden und mehr sind dann oft nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Schauen wir uns die Situation und die verschiedenen Rollen der Frauen in der Landwirtschaft im Nebenerwerb an, wird schnell klar, dass die familiär knappe ZEIT besonders zu Lasten der Frauen geht!

Haushalt, Kinder, Familienmanagement, der evtl. vorhandene Hofladen, die Direktvermarktung uvm. hängen regelmäßig an den Frauen in den landwirtschaftlichen Betrieben!

Haushalt, Kinder und die Familie an sich bedeuten schon, einen Fulltimejob zu haben! Und dann will ALLES ANDERE auf den Höfen noch „nebenher“ erledigt werden!

Ich kenne einige Frauen in der Landwirtschaft im Rhein-Lahn-Kreis, die noch obendrauf einen „Nebenjob“ machen oder sogar einer Vollzeitarbeit nachgehen. Das geht nur, wenn die ältere Generation auf den Höfen einen Teil der Familienarbeit übernimmt.

Gleiches gilt in der arbeitsreichen Zeit der Ernte: Heu, Getreide, Kartoffeln oder bei bestimmten Betriebsformen z. B. mit Viehhaltung – ohne die „Alten“ und deren Arbeitskraft und damit ihrem Zeitaufwand für den Familienbetrieb ein Ding der Unmöglichkeit.

Dazu muss unbedingt gesagt werden, dass genau die Generation der „Alten“ in der Landwirtschaft ja schon ein arbeitsreiches Leben hinter sich hat und sich den Ruhestand auf dem sog. Altenteil mehr als verdient hat.

Wollen Landwirte im Nebenerwerb ihre Betriebe weiterentwickeln z. B. mit und durch die Direktvermarktung, um die Betriebe für die folgenden Generationen erhalten zu können, ist der Faktor Zeit für sie alles!

Der Tag hat nun mal nur 24 Stunden, auch in der Landwirtschaft!

Wenig Freizeit, wenig Ausgleich. Work-Life-Balance ist in der Landwirtschaft ein Fremdwort – für die Männer genauso wie für die Frauen!

Warum tut man bzw. Frau sich DAS also an?!

Es ist die Leidenschaft für die Landwirtschaft, für die eigene Scholle, für den Erhalt des Betriebes, der oft schon seit vielen Generationen besteht. Es ist diese anspruchsvolle Grundhaltung der Menschen, die im „Nebenerwerb“ damit leben, dass sie gemeinsam viel ihrer Lebenszeit für diese Leidenschaft einsetzen. 

Mag sein, dass das Menschen, die mit der Landwirtschaft nichts zu tun haben, nicht nachvollziehen können?! Unumstößlicher Fakt ist, dass uns alle die Arbeit der Landwirte und deren Familien ernährt!

Die Zeit des Jägers und Sammlers ist vorbei! Das Säen, Ernten, Melken usw. – die Arbeit der Landwirte gehört zu den fundamentalen Tätigkeiten der Menschheit und garantiert unseren Fortbestand.

Deshalb schmerzt es uns sehr, dass all das, was die Landwirte und deren Familien für uns alle leisten, oft so wenig Respekt und gesamtgesellschaftliche Anerkennung erfährt!

Da war doch was?!

Unser täglich Brot gib uns heute! Schwierig, ohne die Landwirte und deren Arbeit!


Zahlen – Daten – Fakten

Im Rhein-Lahn-Kreis gibt es aktuell 139 landwirtschaftliche Betriebe, die im Nebenerwerb geführt werden.

Diese Zahl macht rund 65 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis aus. Insgesamt weist die Region nach Daten der statistischen Ämter des Bundes und der Länder folgende Struktur auf:

Nebenerwerbsbetriebe im Rhein-Lahn-Kreis: 139 Höfe (ca. 65 %)

Haupterwerbsbetriebe im Rhein-Lahn-Kreis: 74 Höfe (ca. 35 %) Gesamtzahl der Betriebe: 213

Das zeigt, dass der überwiegende Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe im Rhein-Lahn-Kreis – also rund 65% – im Nebenerwerb geführt wird.

Schaut man auf die Situation in Deutschland insgesamt ergibt sich folgendes Bild.

In Deutschland gibt es rund 140.000 Nebenerwerbslandwirte. Sie machen damit etwa 55 Prozent aller landwirtschaftlichen Einzelunternehmen aus. Betriebe gelten rechtlich als Nebenerwerb, wenn der Betriebsinhaber weniger als 50 Prozent seines Einkommens mit der Landwirtschaft erzielt.

Fläche: Sie bewirtschaften insgesamt ca. 3 Millionen Hektar (etwa 29 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche).

Betriebsgröße: Ein Betrieb im Nebenerwerb ist durchschnittlich 24,5 Hektar groß (im Vergleich zu 72,7 Hektar im Haupterwerb).

Regionale Verteilung: Der Anteil ist besonders in Süddeutschland (z.B. Bayern und Baden-Württemberg) sowie in Hessen sehr hoch.

Rheinland Pfalz

In Rheinland-Pfalz wird mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe im Nebenerwerb geführt. Statistische Erhebungen zeigen, dass von den insgesamt rund 15.900 landwirtschaftlichen Betrieben im Bundesland schätzungsweise etwa 8.500 bis 9.000 Betriebe als Nebenerwerbslandwirte organisiert sind.

Bundesweit liegt der Anteil bei stabilen 55 Prozent. Die wichtigsten Kennzahlen zur rheinland-pfälzischen Nebenerwerbslandwirtschaft auf einen Blick:

Betriebsform: Es handelt sich hierbei meist um Familienbetriebe, bei denen der Betriebsinhaber weniger als die Hälfte seines Einkommens aus der Landwirtschaft bezieht.

Fläche: Sie bewirtschaften im Durchschnitt rund 24 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und sind damit flächenmäßig deutlich kleiner als Haupterwerbsbetriebe.

Spezialisierung: In Rheinland-Pfalz spielt neben dem Ackerbau vor allem der Weinbau eine entscheidende Rolle im Nebenerwerb.

Datenquelle(n): https://www.statistik.rlp.de

Von Andy Walther & Klaus Amann

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