„Hidden Champion“ historischer Baustoffe aus Lahnstein
Jürgen Zmelty ist der „Hidden Champion“ historischer Baustoffe aus Lahnstein
Was ist das denn hier alles?
In gleichmäßigem Takt donnern Güterzüge am Gelände der Schreinerei „Dinkholder Mühle“ am Ortsschild von Lahnstein vorbei. Vom Eingang aus kann man zwischen lauter alten Sachen einen schmalen Trampelpfad durch die unübersehbaren Fundstücke aus unserer Bauvergangenheit erkennen.

Jürgen Zmelty ist Herr über eine erstaunliche Sammlung historischer Objekte. Diese Sammlung ist die Basis eines zukunftsträchtigen Handelsunternehmens. Jürgen Zmelty ist ein außergewöhnlicher Schreinermeister und Restaurator, der Altes rettet und mit seiner Handwerkskunst und Kreativität zu neuem Leben erweckt. Zu ihm kommen Menschen, die Altes suchen, weil sie seinen Wert schätzen! Er ist Unternehmer und Mitglied im Unternehmerverband für historische Baustoffe.



Seit 34 Jahren ist er im Geschäft. Wie bei anderen „Hidden Campions“ kennen ihn alle diejenigen, die schon einmal einen Experten – hier für alte Türen, Fenster und historische Baustoffe – suchten. Er ist europaweit im Geschäft! Zugleich ist er Trendsetter für Nachhaltigkeit im Bauen.
Handel, Handwerk und Leidenschaft
Wenn man Jürgen Zmelty auf sein Unternehmen anspricht, fallen schnell Worte wie „Wiederverwendung“, „Nachhaltigkeit“ und gefährdete „Werte“. Drei Dinge treffen bei ihm in einer Person zusammen: Handel, Handwerk und die sofort spürbare Leidenschaft für die Rettung der von Vernichtung bedrohten Baumaterialien und der Reste früherer Lebensweisen.
Mir fallen bei Jürgen Zmelty direkt Parallelen zu Naturschützern auf: Die Dinge auf seinem Gelände sind kein bloßes Zeugs, keine kulturelle Wildnis. Sie sind schützenswerte, lebendige Zeit-Zeugen von Handwerk- und Lebenskultur aus den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten. Sie zeigen kulturelle Vielfalt, sind Teil unserer Identität!
Als Kulturschützer konnte Jürgen Zmelty sich an einem einzigartigen europäischen Gebäude verwirklichen: dem Sitz des Rates der Europäischen Union in Brüssel. Alte Holzfensterrahmen aus ganz Europa bilden dort eine Fassade. Es ist ein Symbol für nachhaltiges Bauen und die kulturelle Vielfalt Europas. 10% dieser Fenster hat er aufgearbeitet geliefert! 2007 erhielt Zmelty außerdem den Umweltpreis RLP. Geehrt wurde sein Engagement bei der Bergung und Wiederverwendung historischer Baustoffe. Hinzu kam 2010 der Bundesdenkmalpreis.




Jede Ecke auf dem zugestellten Gelände zeugt von unserer Vergangenheit, von den historisch gewordenen Lebensweisen und den einzigartigen Objekten früheren Lebens.
Hat unsere kulturelle Vergangenheit überhaupt Zukunft?? Die Sorgen des Betriebs in der Gegenwart

Jürgen Zmelty hat große Sorgen, wenn er an die Zukunft seines Lebenswerks denkt. Die Enge und Undurchdringlichkeit vieler Ecken auf seinem Gelände haben nämlich vor allem damit zu tun, dass seit einiger Zeit der Online-Verkauf stockt. „Normalerweise haben wir bis zu 90% der Ware darüber verkauft“, so Zmelty. Aktuell ist dieser Vertriebsweg fast vollständig blockiert, weil durch die zerbrochene Geschäftsbeziehung zum bisherigen Softwareservice ein Großteil der Produktdaten nicht mehr zugänglich ist. Der eigene digitale Laden ist unerreichbar für die Kundschaft. Über andere Plattformen für historische Baustoffe kann hilfsweise lediglich ein kleiner Teil angeboten werden. Da Zmelty national und international verkauft, ist dies für das Geschäft eine Katastrophe. Hoffentlich gelingt ihm bald die Wiedereröffnung seiner eigenen Plattform. (Wir werden darüber berichten!)
So lange hilft nur, ihn einmal anzurufen und dann in Lahnstein vorbei zu gehen. Wer historisches Baumaterial und Einrichtungsgegenstände für drinnen und draußen sucht, wird fündig: versprochen!
Von Klaus Amann
Fotos © 2026 by Annemarie Imgrund und Klaus Amann



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