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Ueter & Herbs: Kräuter, Genuss und gelebte Leidenschaft in Bad Ems

Wer Detlev Ueter begegnet, trifft nicht auf einen Menschen, der sich in den Vordergrund drängt. Der Bad Emser, aus Hamm stammend, wirkt zurückhaltend, fast bescheiden. Doch sobald er über Kräuter, Lebensmittel und gutes Essen spricht, wird schnell deutlich, wie viel Leidenschaft und Wissen in ihm steckt.

An einem sonnigen Hang oberhalb von Bad Ems wächst die Grundlage seiner Arbeit. Gemeinsam mit seiner Frau hat Detlev Ueter den Altbau samt Garten vor vielen Jahren gekauft. Seitdem wird nicht nur das Gebäude Stück für Stück saniert, sondern auch der Hang hinter dem Haus liebevoll gestaltet. Zwischen Trockenmauern, Kräuterbeeten und Obstbäumen ist ein Garten entstanden, der ebenso Naturgarten wie Experimentierfeld für Kräuter ist.

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Ein Garten voller Überraschungen

Wir schlendern durch den Hang und die dicht bewachsenen Beete. Immer wieder bleibt Detlev Ueter stehen, pflückt ein Blatt oder eine Blüte und reicht sie zum Probieren.
Kräuter, die überraschend nach Wasabi schmecken. Andere erinnern an Lakritz. Daneben wachsen klassische Küchenkräuter wie Dost, besser bekannt als Oregano oder Rosmarin, der üppig über die Mauern hängt. Sogar Lilienblüten und Studentenblumen landen hier auf dem Teller.
Sein Garten ist eine Einladung, Bekanntes neu kennenzulernen. Hier wird experimentiert, beobachtet, geerntet und vor allem genossen.

Schnell wird klar: Für ihn sind Kräuter keine Dekoration auf dem Teller. Sie sind Charaktergeber, Geschmacksverstärker und Inspiration zugleich.

Brennnessel und Löwenzahn: Die unterschätzten Stars

Brennnesseln und Löwenzahn seien in der Küche völlig unterschätzt, erzählt er. Dabei ließen sie sich vielseitig verwenden und böten spannende geschmackliche Möglichkeiten.

Bei einem seiner ersten Versuche mit Brennnesseln wollte Detlev Ueter eine Suppe zubereiten. Die Freude hielt allerdings nicht lange an. Nachdem die Brennnesseln in die Suppe kamen, verfärbte sich diese innerhalb kurzer Zeit in ein wenig appetitliches Braun.

Heute lacht er darüber.

Damals lernte er eine wichtige Lektion: Brennnesseln sollten vorher blanchiert werden. So behalten sie ihre schöne grüne Farbe und sorgen auch optisch für Genuss.

Es sind genau solche Erfahrungen, die sein Wissen geprägt haben – nicht aus Büchern, sondern aus jahrelangem Ausprobieren.

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Leidenschaft für Geschmack statt Trends

Wer mit Detlev Ueter spricht, hört selten große Worte. Seine Begeisterung zeigt sich in dem, was er erzählt. „Es muss nicht immer etwas Ausgefallenes sein. Es muss gut gemacht sein“, erklärt er. Viel wichtiger sei es, Lebensmittel vernünftig zuzubereiten und ihnen mit den passenden Kräutern eine besondere Note zu verleihen. Gute Küche beginne nicht bei komplizierten Rezepten, sondern bei hochwertigen Zutaten, handwerklichem Können und Respekt vor dem Produkt.

Dieser Respekt zeigt sich auch in seiner Haltung zur Nachhaltigkeit. Ueter setzt auf eine möglichst vollständige Verwertung von Lebensmitteln. Bei Tieren folgt er dem Prinzip „Nose to Tail“, bei Pflanzen denkt er ähnlich konsequent von der Blüte bis zur Wurzel. Wegwerfen ist für ihn keine Selbstverständlichkeit.

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Wertschätzung für Lebensmittel neu lernen

Ein weiteres Thema beschäftigt den Kräuterexperten besonders: der Umgang unserer Gesellschaft mit Lebensmitteln.

Viele Produkte seien heute ganzjährig verfügbar. Dadurch gehe oft das Bewusstsein verloren, wann etwas eigentlich Saison habe und welche Arbeit hinter der Erzeugung stecke.

Ueter plädiert deshalb für mehr Regionalität und Saisonalität. Nicht als Trend oder aus Dogmatismus, sondern aus Überzeugung und Grundlage für einen bewussteren Umgang mit Nahrungsmitteln. Wer wieder lerne, welche Produkte wann wachsen und verfügbar sind, entwickle automatisch mehr Wertschätzung für Lebensmittel und dessen Herstellung.

Auch deshalb sieht er Ersatzprodukte kritisch. Nicht weil er Veränderungen grundsätzlich ablehnt, sondern weil viele natürliche Alternativen längst vorhanden seien. Ein Kohlrabi könne beispielsweise ebenso zu einem überzeugenden Schnitzel oder Bratling verarbeitet werden – ganz ohne lange Zutatenlisten und industrielle Verarbeitung.

Gleichzeitig macht er klar, dass Nachhaltigkeit für ihn nicht bedeutet, jeden Gedanken bis ins Extreme zu treiben.

Schmunzelnd erzählt er von einer Erfahrung in Frankreich. Dort beobachtete er einen Koch, der rund zwei Stunden damit beschäftigt war, die Blätter einer Artischocke so aufzubereiten, dass möglichst die gesamte Pflanze verwendet werden konnte.

Bei aller Wertschätzung für diese Idee zieht Ueter hier seine persönliche Grenze.

Nachhaltigkeit müsse am Ende auch praktikabel bleiben. Manchmal sei es sinnvoller, kreative Lösungen zu finden. Mit einem Augenzwinkern erzählt er, man könne die Arbeit auch den Gästen überlassen und die Blätter der Artischocke einfach als Vorspeise servieren. Dann dürften diese selbst „hutzeln“, während die Küche Zeit für andere Dinge gewinnt.

Die schwarze Walnuss als Geschmackserlebnis

Zu den besonderen Momenten des Besuchs gehört die Verkostung seiner eigenen Produkte, wie den eingelegten schwarzen Walnüssen.
Was zunächst unscheinbar wirkt, entpuppt sich als wahres Geschmackserlebnis. Die Konsistenz, die Würze und die intensive Aromatik überraschen auf Anhieb. Ihr intensiver, vielschichtiger Geschmack bleibt lange in Erinnerung und zeigt eindrucksvoll, welche kulinarischen Möglichkeiten in vermeintlich einfachen Zutaten stecken.

Hier wird geschmacklich deutlich, wie sehr Detlev Ueter Freude daran hat, Lebensmittel neu zu entdecken und bekannte Zutaten auf ungewöhnliche Weise einzusetzen.

Neben eingelegten Walnüssen entwickelt er eigene Kräutermischungen, BBQ Soßen und hat sowohl einen roten sowie einen weißen Wermut auf den Markt gebracht. Erhältlich z. B. im ➔ Webshop von Ueter & Herbs.

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Probieren geht über studieren

Nicht nur im Garten, auch in seiner Küche wird experimentiert. Dort reift unter anderem selbst hergestellter Kombucha, dessen frischer Geschmack einen weiteren Einblick in Ueters Freude am Ausprobieren gibt. Immer wieder sucht er nach neuen Ideen, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren.
Während wir Kombucha verkosten verrät er lachend, dass er als nächstes einen Sauerteig mit Kombucha füttern möchte.

Neben seiner Arbeit als Koch gibt er sein Wissen in Seminaren und Schulungen weiter. Dabei richtet sich sein Angebot vor allem an Profis aus Gastronomie und Küche. Wissen weiterzugeben und andere Menschen zu inspirieren, gehört für ihn genauso zur Arbeit wie das Kochen selbst.

Nach mehreren Stunden im Garten bleibt vor allem ein Eindruck zurück: Detlev Ueter verfolgt keine kurzfristigen Trends. Er lebt eine Haltung. Eine Haltung, die Genuss, Kreativität, Nachhaltigkeit und Wertschätzung miteinander verbindet. Wer ihm zuhört, merkt schnell, dass gutes Essen für ihn weit mehr ist als Nahrungsaufnahme. Es ist Handwerk, Leidenschaft und ein Stück Lebensqualität.

Wenn man über den Emser Abendmarkt schlendert, fällt ein Stand besonders ins Auge. Hier steht Detlev Ueter und bereitet mit sichtbarer Leidenschaft frische Köstlichkeiten zu. Alles wirkt durchdacht, hochwertig und zugleich angenehm unkompliziert. Die Düfte von Kräutern und Gewürzen ziehen Menschen an, die neugierig stehen bleiben.

Wissen weitergeben

Der Bad Emser Koch ist weit über die Region hinaus bekannt. Als Dozent und Küchencoach im Gastronomisches Bildungszentrum Koblenz e.V. gibt er sein umfangreiches Wissen seit 2007 an Fachkräfte aus Gastronomie und Küche weiter. Dabei stehen neben handwerklichen Fähigkeiten auch aktuelle Entwicklungen und innovative Konzepte im Fokus.

Seine Erfahrungen und Überzeugungen bringt er zudem als Autor ein. Mit seinem Buch „Gute Gründe für Lamm & Zicklein aus der Region“ setzt er sich für regionale Wertschöpfung, bewussten Konsum und den Erhalt kultureller Landschaften ein. Die Vermittlung von Wissen und die Begeisterung für gute Lebensmittel ziehen sich damit wie ein roter Faden durch sein berufliches Wirken.

Live erleben kann man diese Passion und seine kulinarischen Kreationen regelmäßig auf dem Bad Emser Abendmarkt und bei Kochkursen. Dort präsentiert er ausgewählte Köstlichkeiten aus seiner Küche und kommt gerne mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch. Zwischen kreativen Gerichten, feinen Kräutern und besonderen Produkten wird hier deutlich, was Ueter & Herbs ausmacht: die Freude am guten Geschmack, die Wertschätzung hochwertiger Lebensmittel und die Begeisterung dafür, Menschen kulinarisch zu überraschen – unaufgeregt, sympathisch und mit viel Erfahrung.

Von Annemarie Imgrund
Fotos © 2026 by Annemarie Imgrund

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