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Verdreckte Parkanlagen wegen Vandalismus und Hundebesitzern? Die Sache ist komplizierter …

… aber es gibt einfache und funktionierende Lösungen dafür. Zum Beispiel im „Wirt“ in Diez.

Wer kennt nicht die öffentlichen Orte, bei denen man froh ist, wenn man sie meiden kann? Orte, wo wir den Blick abwenden und die Luft anhalten und die wir möglichst schnell vergessen wollen. Verdreckte und heruntergekommene Bahnunterführungen mit kaputter Beleuchtung, Hundehaufen an der Straßenecke, ungepflegte und zugemüllte Flächen an Häusern und Straßen, kaputte oder verschmierte Bänke im Park. Solche Zustände prägen das Verhältnis zwischen Bürgern und der öffentlichen Verwaltung stärker, als es die mit hohem Aufwand polierten und herausgeputzten Ecken tun. Sie führen für etliche Menschen direkt zu einem negativen Bild ihrer Mitmenschen und schließlich auch ihrer Kommunen. Es geht aber auch ganz anders.

Ein Dienstagmorgen im Park in Diez

Ein anhaltender Wechsel zwischen nieseln und regnen. Der weitläufige Park ist beinah menschenleer. Bäume und Büsche lassen den leichten Regen auf die gestern noch staubigen Wege und die ausgedorrten, gelbbraunen Grünflächen tropfen. Nach Wochen der Hitze und Trockenheit spürt man eine wohltuende, ruhige Morgenstimmung im „Wirt“ in Diez.

Hinter dem Gebüsch am Wasserspielplatz tut sich was. Elke Busch hackt die zugewachsenen Einfassungen der befestigten Fläche frei. Elke Busch ist seit einiger Zeit Mitarbeiterin des städtischen Bauhofs. Wöchentlich 18 Stunden kümmert sie sich persönlich um den „Generationenpark“ in Diez. Schon nach den ersten Sätzen mit ihr merkt man, dass sie mit Hacke, Besen und ihrem Reinigungsmobil viel mehr macht als eine von anderen vorbestimmte Aufgabenliste von landschaftsgärtnerischen Arbeiten abzuhaken. Sie arbeitet nämlich zugleich nachhaltig am Image des Parks UND am öffentlichen Selbstverständnis der Stadt Diez. Das klingt ziemlich hochtrabend. Ist es aber nicht. Warum? Eine erste kleine Beobachtung gibt einen Hinweis darauf.

„Trotzdem“

Elke Busch beschreibt mir, was sie gerade tut. Und vor allem erklärt sie, WARUM sie das tut. Und in dieser Erklärung ist kein Jammern, Stöhnen oder Klagen über die Arbeit, das Wetter oder die undankbare Welt zu hören. Erklärungsbedürftig ist aus ihrer Sicht, dass sie diesen seit 2018 nicht mehr funktionierenden Wasserspielplatz „trotzdem“ in einen sauberen und gepflegten Zustand bringen will. Trotzdem, obwohl schon seit 8 Jahren der bis dahin Wasser für diesen Bereich liefernde Brunnen versiegt ist. Seither sitzen die Kinder auf dem Trockenen und die Anlage hat ihren gedachten Sinn verloren.

Trotzdem Energie und Arbeitszeit gerade an solchen vernachlässigten Stellen zu investieren hat einen tieferen Sinn. Das Ergebnis ist nämlich Teil einer echten Lösung für das, was anderswo für ein hartnäckiges Problem der jeweils Anderen – also entweder der „rücksichtslosen Mitbürger“ oder einer „untätigen Verwaltung“ gehalten wird.

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→ Planentwurf des Landschaftspark „Wirt“ (2011)

Was wurde aus einer „Investition in Ihre Zukunft“?   

Blicken wir etwas zurück. Vor 15 Jahren wurde in Diez das zwischen Aar und Mühlgraben liegende Gelände in einen sogenannten Generationenpark umgestaltet. Die Planer sprach damals von „Investitionen in Ihre Zukunft“. Der Anlass für die großzügige finanzielle Unterstützung des neuen Geländes durch Land und EU war die BUGA 2011 in Koblenz. Konzipiert als „Außengelände der Bundesgartenschau“ ist er „heute ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt“, so die Tourismuswerbung (Rheinland-Pfalz Gold) Mit „IHRE Zukunft“ sind ganz offensichtlich die Bürgerinnen und Bürger von Diez angesprochen gewesen. Diese Zukunft von damals ist nun unsere Gegenwart.

Gemeinsam mit Elke Busch begebe ich mich auf eine von ihr geführte Rundtour über das gesamte Parkgelände. Sie spricht über die unterschiedlichen Bereiche und Ecken, über deren frühere Zustände, ihre sichtbaren Veränderungen, ihre noch vorhandenen Mängel und ihre Qualitäten. „Diese Wege gab es gar nicht mehr“ zeigt sie mir hier, „diese Steine waren völlig verschwunden“ dort. „Das Ufer hier war total zugewuchert. Jetzt halten wir die wuchernden Pflanzen regelmäßig klein.“

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 „Hier an dieser Steingruppe halten sich gerne Jugendliche auf.“ Kein Stückchen Abfall ist hier zu sehen. Elke Busch kennt die Nutzungsweisen der unterschiedlichsten Ecken „ihres“ Parks.

„Wir müssen hier als Stadt in Vorleistung gehen.“

Die hölzerne Terrasse am kleinen See ist vom Zahn der Zeit angefressen. „Es ist sehr aufwendig, die einzelnen maroden Dielenbalken auszuwechseln“, so Elke Busch, meinem kritischen Blick nach unten folgend. Für den Rundweg hat sie einen Eimer und ihre Abfallzange mitgenommen, so dass sie während ihrer Erzählungen immer wieder spontan zugreift, Zigarettenstummel, Plastik- und Glasreste, einmal auch einen Hundehaufen und eine alte Waschschüssel im Gebüsch aufsammelt.

Nein, sie ärgert sich nicht darüber, sie beklagt sich nicht über ältere Menschen, die trotz Verbots die Tiere im Park füttern, den Hundekot liegen lassen; sie ärgert sich nicht über DIE Jugendlichen, die irgendwo Chipstüten jenseits der Mülleimer hinterlassen oder das Toilettenhaus mit Farbe bemalen; nicht über Menschen, die abends den eingezäunten Bolzplatz als Treffpunkt nutzen und ihre leeren Flaschen „vergessen“. „Wir müssen hier als Stadt in Vorleistung gehen“, so lautet ihr überzeugendes Credo.

Die öffentlichen Investitionen aus der Vergangenheit auch in der weiteren Zukunft für die Diezer Bürger zu erhalten: Dies ist das richtige Ziel. Nicht das Fehlverhalten Einzelner in den Mittelpunkt der eigenen Betrachtung zu stellen.

„Die allermeisten Menschen nutzen den Park rücksichtsvoll und sind froh, hier her kommen zu können in einen sauberen und gepflegten Park. Genau für die mache ich die Arbeit.“

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So die klare Haltung von Elke Busch. Deshalb brachte sie direkt am nächsten Morgen, nachdem die Toiletten mal beschmiert worden waren, diese Verschmutzung „einfach“ wieder in Ordnung. Und genau dieses Vorgehen hat nachhaltige und positive Wirkung auf all die Rücksichtsvollen, die Erholung und Entspannung suchen. Es ist ein sichtbares Zeichen von Respekt für deren berechtigten Ansprüche, dass mit Steuergeldern nachhaltig umgegangen wird. Und klar ist auch: Die Nachlässigkeit der Parkbesucher wird durch einen sichtbar durch eine Stadt oder Gemeinde vernachlässigen Park größer, nicht durch dessen sichtbare Pflege! Natürlich ist Vandalismus ein gesellschaftliches Problem. Die Vernachlässigung öffentlicher Anlagen und Werte ist jedoch am Ende ein wesentlich größeres!

Deshalb gilt die Aufmerksamkeit von Elke Busch genauso gegenüber all dem, was der unaufhaltsame „Zahn der Zeit“, Wetter und Natur an Nagespuren im Park hinterlassen. Da sind beispielsweise die früher einladenden Sitzflächen auf den Gabionenquadern, die durch Feuchtigkeit morsch und hinfällig geworden waren. Bei deren schrittweisem Ersatz kamen die tatkräftigen Kollegen vom Bauhof Elke Busch zu Hilfe und montieren nun, wenn es ihre anderen Arbeiten zulassen, Stück für Stück die neuen Holzbretter.

Einfach aber entscheidend: Genau hinschauen und dann das Richtige tun.

Der „Wirt“ ist für Diez ein für jedermann frei zugänglicher Freizeit- und Erholungsort. Solche Orte sind in den letzten Jahren leider seltener geworden. Besonders die direkten Anwohner des Parks wissen hier die aufmerksame und beständige Arbeit ihrer Parkpflegerin sehr zu schätzen. Sie haben sich dafür eingesetzt, dass deren Stelle von der Stadt weiter finanziert wird. Der Park und die sich inzwischen verbreitende Wahrnehmung, dass sich seine Entwicklung zum Besseren gewendet hat, das ist die einfache und funktionierende Lösung. Die sichtbare und tägliche Arbeit von Elke Busch und ihrer Kollegen ist ein gesellschaftlich wirksamer Teil der Lösung des aktuell gestörten Verhältnisses zwischen Bürger und Verwaltung.

Keine Lösung ist die ständige, aber folgenlose Thematisierung dessen, was in einer Gemeinde oder Stadt nicht funktioniert oder schlecht ist. Das Problem, dass Einzelne gegen Regeln oder die Gemeinschaft handeln und ihr dadurch schaden, das lässt sich gerade nicht durch die Dramatisierung der jeweiligen Taten dieser Einzelnen beseitigen!

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Elke Busch mit den gesammelten Abfällen des Morgens

Elke Busch ist tätiger Teil der funktionierenden Lösung in Diez. Sie schaut genau hin und bringt direkt das wieder in Ordnung, was sie in „ihrem“ Park als störend erkennt. Sie steht deshalb für ein öffentlich positiv wahrgenommenes Bild ihrer Stadt.

Schauen Sie selbst mit den Augen der Parkpflegerin, wenn sie mal durch den „Wirt“ in Diez gehen!

Gesammelte Eindrücke aus dem Park (© Elke Busch)

Zum Abschied zeigt mit Elke Busch noch einen kleinen Film, den sie vom Frühling in „ihrem“ Park gemacht hat. Er ist eine ihrer vier Jahreszeiten Impressionen vom „Wirt“ in Diez.

Klaus Amann

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