Wird geladen

300 Jahre alte Dielen im Badezimmer – Die Handwerkskunst des Jürgen Zmelty

In einem äußerlich eher unauffälligen Einfamilienhaus in Leutesdorf treffe ich wieder auf →Jürgen Zmelty, den Experten für historische Baustoffe aus Lahnstein.  Er ist gerade dabei, einen Dielenboden im Badezimmer von Arnold Prass und Sabine Quast zu verlegen. „Wir hatten da einen Wasserschaden und mussten alles rausnehmen,“ so Arnold Prass über den Hintergrund dieses außergewöhnlichen Auftrags.

IMG_20260612_113725-768x1024 300 Jahre alte Dielen im Badezimmer – Die Handwerkskunst des Jürgen Zmelty

Jürgen Zmelty hat bereits nach der →Flutkatastrophe im Ahrtal dafür gesorgt, dass zerstörte historische Türen wieder zu alter Schönheit zurückfanden. Arnold Prass hat von der Arbeit des Lahnsteiner Schreinermeisters und Restaurators Zmelty aus einem Fernsehbericht erfahren. „Das hat mich auf die Idee für einen solchen Badezimmerboden aus historischen Materialien gebracht“, erklärt mit Prass.

Jürgen Zmelty ist nicht nur der bekannte Restaurator für die Erhaltung bedeutender historischer Bauwerke. Er übt seine besondere Handwerkskunst mit gebrauchten Materialien genauso gut in „ganz normalen“ Wohnungen und Häusern aus.

Zmelty-mit-Brett 300 Jahre alte Dielen im Badezimmer – Die Handwerkskunst des Jürgen Zmelty

Der verborgene Wert von altem Holz

Sehr viele Leute denken: „nur noch gut als Brennholz“, wenn sie krumme, angefaulte oder wurmzerfressene alte Bretter sehen. Für Jürgen Zmelty sind sie jedoch die notwendige Voraussetzung für seine handwerklichen Unikate. 300 Jahre alte, bis zu 4 cm dicke Eichenbretter erzählen für denjenigen, der sie „lesen“ kann, Geschichten aus Kultur und Bauhandwerk. Mit Äxten, Beilen und seit dem 15. Jahrhundert mit Stahlsägen wurden aus oft Jahrhunderte alten Eichen massive Balken und Bretter in kraftzehrender Handarbeit gefertigt. Die Eiche war bei uns vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein Grundlage beinah jeden Fachwerkbaus. Bis heute ist neues, industriell verarbeitetes Eichenholz bei Fußböden ein wichtiger und hochwertiger Baustoff.

Aus „Abfall“ entsteht die neue Schönheit

Jürgen Zmelty bringt die alten und zum Teil beschädigten Eichenbretter, die aus Abbruchgebäuden gerettet wurden, zu neuer Schönheit. Klar: der heutige Kunde will keine krummen und schiefen Dielen in der Wohnung. Dafür werden sie mit Hobelmaschine auf gleiche Stärke, und mit der Säge auf Maß gebracht. Vorher müssen alle sichtbaren und verborgenen Metallteile gefunden und entfernt werden. Sonst gehen die empfindlichen Hobelklingen und Sägeblätter direkt kaputt.

Das alles braucht Zeit und zudem besonderes handwerkliches Können – und hat dementsprechend seinen Preis. Arnold Prass weiß das auch. Aber er sagt: „Ich weiß, dass ich das nur noch einmal in meinem Leben machen werde. Das ist es mir wert.“

IMG_20260612_113841_1-768x1024 300 Jahre alte Dielen im Badezimmer – Die Handwerkskunst des Jürgen Zmelty

Jürgen Zmelty bleibt bei der Ausführung im Gespräch mit der Kundschaft. Man bespricht die im Arbeitsprozess entstehenden Möglichkeiten, das Hand-Werk schließlich in seine gewünschte, endgültige Form zu bringen. Da spielt auch immer eine wichtige Rolle, wieviel Zeit und damit Geld der konkrete Aufwand m Detail kosten wird.

Was am Ende steht, ist ein erstaunliches Unikat!  Arnold Prass und Sabine Quast sind glücklich über ihr wirklich einmaliges Badezimmer.

20260616_165933-577x1024 300 Jahre alte Dielen im Badezimmer – Die Handwerkskunst des Jürgen Zmelty

Übrigens: inzwischen ist ein wichtiger Teil des historischen Warenbestands von Jürgen Zmeltys Lager in Lahnstein wieder →online zu finden.

Klaus Amann

Kommentar abschicken