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„Hast schon wieder die Gummistiefel an“

Christiane Frank hat sich mit ihrem Garten rund um’s Haus auf einen ungewöhnlichen Weg begeben. Vor ein paar Jahren sah das Grundstück noch so aus wie „schöne Gärten“ heutzutage aussehen. Aber dann hatte sie genug davon: „Ständig gießen, schneiden, düngen. Ich wollte das nicht mehr.“ Neben der Arbeit störte sie der ständige sommerliche Wasserverbrauch, zu einer Zeit, wenn das Trinkwasser inzwischen ohnehin knapp wird.

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Garten vorher

Christiane Frank war es leid. Und dann hat sie angefangen, über eine andere Zukunft für sich und ihren Garten nachzudenken und sich auf die Suche nach einer besseren Alternative gemacht. Und stieß auf „Tausende Gärten ‒ Tausende Arten“!

Von Ende 2019 bis Ende letzten Jahres lief ein vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) finanziertes Förderprogramm. Das erklärte Ziel: „Bürgerinnen und Bürger bundesweit dafür begeistern, ihre Grünflächen naturnah zu gestalten.“ Genau das war es!

Christiane Franks konventioneller Grünbereich wird einer dieser Gärten. Und dazu ein kürzlich mit Gold ausgezeichneter! Der einzige im Rhein-Lahnkreis!!

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Der Weg dahin war in mehrfacher Hinsicht ein steiniger.

Bestandsaufnahme einer Fehlentwicklung

„Ein Naturgarten ist naturnaher Lebensraum für Menschen, wildlebende Tiere und Pflanzen. Er fördert die biologische Vielfalt und ist selbst erneuernd. Seine Pflege wird auf ein ökologisches Mindestmaß reduziert.“ So steht es auf den Seiten von → „Tausende Gärten – tausende Arten“

Christiane Frank beginnt mit der Bestandsaufnahme in ihrem „schönen Garten“. Und ist erschrocken, dass hier die meisten ihrer Sträucher, Büsche und Ziergräser zukünftig NICHTS mehr zu suchen haben werden. Sie sieht, dass ihr Garten zwar einen schönen und gepflegten Eindruck macht. Sie erkennt jedoch, dass genau das nicht mehr das Ziel IHRER Gartenarbeit sein kann. Dieses Ziel ist weder menschenfreundlich noch naturfreundlich.

Raus damit!

Nun kommt der erste Teil des steinigen Wegs. Christiane Frank und ihr Mann beginnen damit, den Bestand buchstäblich mit Stumpf und Stiel zu entfernen. Und das Ganze ohne Bagger, weil sie sich ja nicht den Boden für Jahre verdichten und zerstören wollen. Da gibt es dann die wunderschönen Ziergräser, die in unseren ökologischen Zusammenhängen nutzlos und zudem schädlich für die regionale Vielfalt der Arten und insbesondere der Insekten sind. Man spricht dabei von invasiven Neophyten.  Also Pflanzen, die einen funktionierenden Lebenszusammenhang von Tieren und Pflanzen zerstören.

Beide beginnen in einer Ecke des Garten damit, Platz für intakte Lebensverhältnisse zu schaffen.  Dazu gehört auch hunderte von Quadratmetern früher eingebautes Bodenflies wieder auszugraben, weil es aktiv einen naturnahen Garten behindert. Aber auch riesige Wurzelsysteme mühsam aus dem Boden zu holen und wegzuschaffen. Eine Herkulesaufgabe!!

„Wasser holt den Himmel in den Garten.“

Christiane Frank erklärt mir mit diesem Zitat aus einem Buch zu naturnahen Gärten, was ihr schließlich als erstes angelegter Gartenteich für sie bedeutet. Und zugleich auch, dass sie diesen Teil ihres Himmels inzwischen lieber größer hätte. Nahe bei diesem Teich befindet sich – wie sie nicht ohne Schmunzeln berichtet – direkt auch der Käferkeller. Dazu gleich noch mehr.

Der Gartenteich ist ein erstes, lebendiges und beobachtenswertes Stück ihres NEUEN GARTENS geworden. Da hat sich ein Molch angesiedelt, Libellenlarven finden sich darauf und viele andere Wassertierchen. Der Teich ist die Trinkstelle für eine Vielzahl von Insekten. Hier sitzt Christiane Frank gerne und beobachtet das sirrende Treiben am Wasser.

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„Der Plan ist in meinem Kopf“

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Käferkeller

Es gibt keinen zu Papier gebrachten, ausgearbeiteten Gartenplan für Christiane Franks Schöpfung. Aber den festen Willen, genau zu beobachten, was und wie sich aus einem „schönen“ Garten ein wirklich wertvolles Stück Natur mitten im Wohnviertel in Diez unweit der Aar entwickelt. Der Teich zeigt direkt, dass ein naturnaher Garten immer Flora UND Fauna, also Pflanzen und Tiere besitzt: eine komplexe Lebensgemeinschaft. Und wenn diese Lebensgemeinschaft sich „eingespielt“ hat, dann braucht es so gut wie keine menschliche Gartenpflege und kein Gießen mehr. Zurück zum nahen Käferkeller. Durch ihn werden Tiere in den Garten gepflanzt. Das Ziel ist dabei eine „Entwicklungshilfe“ für einen naturnahen Garten. Der Käferkeller unterstützt unter der Erde, mit Steinen überdeckt, die Besiedlung durch nützliche heimische Tiere.

Garten anders denken lernen

Einmal angefangen, wird das Projekt des eigenen naturnahen Gartens zu einem motivierenden Selbstläufer. Christiane Frank gibt sogar zu, dass das Ganze für sie zeitweise schon fast Suchtcharakter angenommen hatte. Ihr Mann bemerkte dazu dann schon mal, als er sie am frühen Morgen aus dem Garten kommen sah: „Hast schon wieder die Gummistiefel an“. Ja: Die intensive Beschäftigung mit den Möglichkeiten, den neuen Garten mit den eigenen Händen in ein Stück gesunde Natur zu verwandeln, hat Christiane Frank zu einer leidenschaftlichen Expertin für ihre Flora und Fauna gemacht. Und vielleicht auch der Wille und Ehrgeiz, es richtig gut zu machen.

Wir haben lange Zeit zusammen in diesem wunderschönen Stück Natur verbracht. Christiane Frank konnte mir wirklich an dutzenden Stellen die unscheinbaren Details und Schönheiten zeigen, jenes erklären, die nun neu wachsenden Pflanzen und ihre Bedeutung für ihr Gartenkleinod lebhaft schildern. Ich fing an, in Gedanken immer wieder meinen Garten zuhause an dem Gezeigten zu messen und von ihrer Leidenschaft für ihr Schaffen angesteckt zu werden.  Und vergaß dabei schon wieder einige der Namen ihrer Pflanzen, die sie mir zeigte.

Am Ende merke ich, dass es Christiane Frank nicht vorrangig darum ging, mit ihrem alten Garten weniger Arbeit zu haben. Es war vielmehr die Suche nach einem anderen, besseren Verhältnis zur eigenen (Um-)Welt. Und das direkt hinter und vor dem Haus. Die diesjährige Prämierung in Gold für ihr gelungenes Vorhaben eines naturnahen Gartens zeigt, dass sie ihren Weg gefunden hat, der auch ein Weg für andere Menschen und ihre Gärten sein könnte.

Sedum auf Schotterbefestigung

Und zum Schluss habe ich noch gelernt, dass das Ausstreuen von Sedum auf dem regional abgebauten, Mensfelder Vulkangestein ein weiterer Teil des „steinigen“ Wegs ist, auch befestigte Flächen im naturnahen Garten erfolgreich in lebendiges Grün zu verwandeln.    

Klaus Amann

Hier findet man weitere Information rund um den naturnahen Garten:

Prämierung von Naturgärten

Verein Naturgarten e.V.

Buch von Birgit Helbig: Mein Garten wird ein Naturgarten

Handbuch invasiver Neophyten

Seite und App von NaturaDB, die eine riesige Informationsbasis und vielfältige Unterstützung für naturnahes Gärtnern liefert .

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