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Reparieren statt wegwerfen – Das Repair-Café in Hahnstätten

Zwischen Schraubenziehern, Kabeln und geöffneten Gehäusen landen im Repair-Café in Hahnstätten die unterschiedlichsten Alltagsgeräte auf den Werkbänken der Ehrenamtlichen: ein Föhn mit Wackelkontakt, eine alte Trockenhaube, ein Saugroboter mit Platinenschaden oder eine Garagenfernbedienung, die plötzlich ihren Dienst verweigert.

Nicht alles kann gerettet werden. Aber vieles bekommt hier tatsächlich noch einmal eine zweite Chance.

Empfangen wurde ich an diesem Nachmittag von Silke Löhr. Sie kümmert sich im seit 2019 bestehenden Repair-Café im Dorfgemeindehaus Hahnstätten unter anderem um den Empfang, die Anmeldung der Besucherinnen und Besucher sowie die Vergabe der Reparaturaufträge.

Während um uns herum bereits geschraubt und geprüft wurde, erzählte sie mir von der Idee hinter dem Repair-Café, die ursprünglich aus den Niederlanden stammt. „Repair Café“ ist sogar ein geschütztes Logo, für dessen Nutzung eine kleine Konzessionsgebühr gezahlt werden muss.

Und das Angebot wird gut angenommen. Bis 2025 wurden bereits rund 2000 Reparaturaufträge bearbeitet.

Hilfe zur Selbsthilfe

„Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet das Motto des Repair-Cafés. Denn hier geht es nicht nur darum, defekte Geräte einfach abzugeben und repariert zurückzubekommen.

Die Besucherinnen und Besucher werden ausdrücklich dazu ermutigt, selbst mit anzupacken, erzählt mir Silke Löhr. Unter Anleitung der Ehrenamtlichen dürfen viele Reparaturen gemeinsam durchgeführt werden. Handwerkliche Fähigkeiten und technisches Wissen werden dabei bewusst weitergegeben.

Vorkenntnisse braucht dafür niemand – das Repair-Café ist offen für alle.

Wie läuft ein Besuch im Repair-Café ab?

Wer ein defektes Gerät hat, kann sich für einen Reparatur-Slot anmelden. Das geht seit einiger Zeit auch online über die eigene ➔ Website. Pro halbe Stunde werden drei Aufträge angenommen. Manche Besucher kommen aber auch spontan vorbei und hoffen auf Hilfe. Kein Problem, wenn gerade ein Slot frei ist oder man etwas Zeit mitgebracht hat.

Repariert wird fast alles – nur große Geräte wie Waschmaschinen können aus praktischen Gründen nicht angenommen werden. Ebenso wenig Mikrowellen, Fernseher oder gar Hochdruckreiniger.

Bei meinem Besuch im Repair-Café lagen bereits mehrere Geräte auf den Tischen: Eine Bohrmaschine mit defektem Bohrfutter wartete auf ihre Reparatur, eine hübsche Lampe benötigte einen neuen Schalter, ein Drucker wurde untersucht und eine Kaffeemaschine musste zunächst auf Ersatzteile warten, bevor sie beim nächsten Termin erneut aufgeschraubt werden kann.

Geduldig wurde auch ein Haartrockner aufgeschraubt und von seinem Besitzer selbst in seine Einzelteile zerlegt. Dieser konnte allerdings nicht mehr vor der Verschrottung gerettet werden. Eine ältere Dame brachte ihre alte Trockenhaube vorbei, doch dort waren die Heizstäbe defekt.

„Einen Versuch war es wert. Und nach fast drei Jahrzehnten darf sie jetzt auch mal den Geist aufgeben“, sagte sie lachend.

In einer Tragetasche fand auch ein Saugroboter den Weg ins Dorfgemeindehaus. Der Fehler: ein Platinenschaden. Der Roboter konnte seine Umgebung nicht mehr scannen und deshalb nicht mehr losfahren. Auch hier war die Reparatur leider nicht mehr möglich.

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Mehr als nur Reparaturen

Während an den Tischen geschraubt und geprüft wird, sitzen ein paar Meter weiter Menschen bei Kaffee und Kuchen zusammen.

Manche kommen wegen eines defekten Geräts. Andere bleiben für Gespräche, Kaffee und das Gefühl von Gemeinschaft.

Kaffee und Kuchen werden gespendet und kosten nichts. Wer möchte, kann etwas in die aufgestellte Spendenbox geben. So entsteht neben der Werkbank auch ein sozialer Treffpunkt für Menschen aus der Region.

Ehrenamt mit Fachwissen

Besonders beeindruckend ist das Engagement der Menschen, die hier reparieren. Viele der Ehrenamtlichen sind bereits im Ruhestand oder stehen kurz davor. Alle haben beruflich früher mit Elektronik oder Technik gearbeitet und bringen ihr Fachwissen nun freiwillig und mit Freude ein.

Dabei endet die Hilfe nicht immer an der Tür des Dorfgemeindehauses.

Wenn Geräte nicht transportiert werden können, helfen die Ehrenamtlichen teilweise sogar direkt vor Ort. So erzählte Silke Löhr von einem Spiegelschrank mit defekter Steckdose, der nicht ins Repair-Café gebracht werden konnte. Da der Haushalt ohnehin in der Nachbarschaft eines Reparateurs lag, bot er an, die Reparatur zwischendurch direkt dort zu übernehmen.

„Das fällt dann auch unter Nachbarschaftshilfe“, sagte Silke Löhr lächelnd.

Überhaupt wirkt vieles hier angenehm unkompliziert. Da wird geholfen, mitgedacht und manchmal eben auch spontan angepackt.

Auch beim Entsorgen defekter Geräte wird geholfen. Ein Ehrenamtlicher hatte an diesem Tag ohnehin eine Sammelkiste von einer Haushaltsentrümpelung dabei und nahm deshalb ein irreparables Gerät direkt mit, um es fachgerecht zu entsorgen.

Nachhaltigkeit ganz praktisch

Während vieles heute schnell ersetzt wird, wird hier erst einmal geschaut, ob nicht doch noch etwas zu retten ist.

Zwischen offenen Geräten, Werkzeug und Kabeln entsteht dabei ganz nebenbei etwas, das fast ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt: reparieren statt wegwerfen.

Natürlich gelingt nicht jede Reparatur. Doch allein der Versuch zählt – und spart in vielen Fällen Elektroschrott, Ressourcen und Geld.

Besonders beliebt seien übrigens auch Thermomix-Geräte, erzählten die Ehrenamtlichen. Vielleicht landet deshalb beim nächsten Termin im Juni auch mein eigener Thermomix auf dem Reparaturtisch – bei ihm funktioniert die Waage nicht mehr richtig.

Und während draußen der Alltag weiterläuft, bekommen drinnen alte Geräte – und manchmal auch ein bisschen der Gedanke von Nachhaltigkeit – noch einmal eine neue Chance.

Von Annemarie Imgrund
Fotos © 2026 by Annemarie Imgrund

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