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Rucola-Pesto: Vom Garten direkt in die Schüssel

Manche Menschen kommen nicht einfach vorbei auf nen Kaffee — sie übernehmen direkt die ganze Küche. So ungefähr war das mit Andy Walther.

Andy stand nämlich nicht einfach mit ein bisschen Rucola vor der Tür. Nein. Er kam bepackt mit riesiger Schüssel, Reibe, Vakuumiergerät, besten Ölen, Käse, Salz, einem Tormek Messerschärfer und einer gefühlten halben Gartenernte aus seinem eigenen Garten.

Küchen-Takeover mit Andy Walther

Der Plan: gemeinsam Rucola-Pesto machen. Eigentlicher Plan waren anderthalb Stunden. Daraus wurden am Ende vier Stunden Küchen-Takeover.

Bevor überhaupt gekocht wurde, mussten erstmal meine Küchenmesser gerettet werden. Andy schaute sie an wie ein Arzt einen Notfallpatienten. Dass wir mit denen so nicht arbeiten, war relativ schnell klar. Also bekam ich erstmal eine kleine Einführung ins Messerschärfen. Ehrlicherweise dachte ich immer, das wäre komplizierter. Ist es irgendwie auch — aber gleichzeitig auch nicht. Man braucht einfach Übung. Und Geduld.

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Rucola, Regen und jede Menge Sand

Danach ging’s an den Rucola. Frisch geerntet aus Andy Walthers Garten. Und dank des Regens der vergangenen Nacht voller Erde und Sedimente. Also standen wir erstmal am Schüttstein und haben gewaschen, geknetet, gewälzt und Wasser gewechselt. Immer wieder. Bis wirklich kein Sand mehr übrig war. Nach meiner Zahnreinigung wenige Stunden vorher hatte ich nämlich wirklich kein Lust auf Zähneknirschen. 

Währenddessen wurde geredet. Über Essen. Zutaten. Und Menschen, die zu viel Knoblauch verwenden — was es unserer Meinung nach eigentlich gar nicht gibt. Über Küchenmacken. Und darüber, dass wir beide zwar gerne kochen, aber manchmal selbst einfach nur bekocht werden wollen.

Über scharfe Messer, Küchenmacken und gutes Essen

Ich habe Andy Walther beim Arbeiten beobachtet. Nicht nur, weil ich gerne dazulerne, sondern weil ich Menschen faszinierend finde, die in der Küche so richtig aufgehen. Andy ist da ähnlich wie ich: Wenn gekocht wird, dann mit klarer Vorstellung davon, wie Dinge geschnitten, vorbereitet oder abgeschmeckt werden. Lieber ruhig arbeiten als zehn Leute, die gleichzeitig irgendwo dazwischenfummeln. Und trotzdem war das Ganze überhaupt nicht angespannt. Im Gegenteil. Es fühlte sich eher an wie ein langer Nachmittag mit jemandem, den man schon deutlich länger kennt.

Die Küchenmaschine blieb übrigens konsequent im Schrank. Der Rucola wurde von Hand geschnitten. Dank frisch geschärfter Messer ging das plötzlich erstaunlich leicht. Faserige Stiele und Beikräuter wurden vorher aussortiert — auf diese leicht faserige Konsistenz im Pesto hatten wir beide keine Lust.

Mehr Knoblauch ist keine Option, sondern Pflicht

Dann begann der schönste Teil: abschmecken, probieren und Öle testen. Pur vom Esslöffel und zum Neutralisieren Knäckebrot.

Andy Walther hatte verschiedene Olivenöle mitgebracht — darunter das Gut Vassilakis „Vee“ BIO, OLIO SARULLO extra vergine und das BIO Olivenöl der Tzortzis Familie. Außerdem durfte ich das Rapsöl der Familie Mallasch vom Brunnenhof-Grebenroth probieren. Und das war tatsächlich eine kleine Überraschung für mich. Mit Rapsöl bin ich bisher nie richtig warm geworden, weil mir oft dieser typische Eigengeschmack zu dominant war. Dieses hier war komplett anders.

Der Rucola kam portionsweise in verschiedene Schüsseln. Erst mit Salz bestäuben und ordentlich vermengen. Dabei zuzusehen, wie das Wasser austritt, hatte fast schon etwas Meditatives. Danach Knoblauch — selbstverständlich nicht zu wenig — und dann das Öl. Andy erklärte mir zwischendurch kleine Handgriffe und Tricks, die man in keinem Rezept liest. Zum Beispiel woran man erkennt, dass genug Öl drin ist: Die Masse zur Seite schieben. Wenn das Öl langsam zusammenläuft und den Boden bedeckt, passt es.

Zum Schluss kam ordentlich fein gehobelter Parmigiano Reggiano dazu. Nicht gerade die liebste Aufgabe von Andy. Daher habe ich hier übernommen. Und vielleicht ist das jetzt ein seltsamer Funfact über mich: Mit Käse als Aufschnitt kann man mich jagen. Wirklich. Aber bei Parmesan, Feta oder Mozzarella werde ich sofort schwach.

Vier Stunden später

Irgendwann meldete sich dann der Hunger. Pasta sollte her. Also Wasser aufsetzen — beziehungsweise eigentlich nicht. Denn irgendwann viel auf, dass da nichts anfing zu kochen. Es ging unserem Herd das Gas aus. Natürlich. Die Ersatzflasche hatten wir vor einigen Tagen schon dem Pizzaofen geklaut. Also wurde kurzerhand improvisiert und der Campingkocher ausgepackt. Irgendwie hat das perfekt zu diesem Nachmittag gepasst.

Die Pasta wurde am Ende ganz italienisch direkt in einer großen Schüssel mit dem Pesto vermengt. Schnell auf die Teller und einfach genießen.

Und ehrlich: Andy Walther hat nicht zu viel versprochen. Dieses Rucola-Pesto ist wirklich gut geworden. So gut, dass bis auf zwei Gläser für den nächsten Tag nichts übrig blieb. Da hat Andy das Vakuumiergerät auch daheim lassen können.

Danke für diesen witzigen Nachmittag und die grandiosen Öle, die in meine Küche eingezogen sind.

Von Annemarie Imgrund
Fotos © 2026 by Annemarie Imgrund

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