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Der REDE wert! Über den Backblechrand raus

Hilflos oder auch traurig schauen wir zu, wenn wieder ein Laden im Dorf oder in der Stadt schließt. Der letzte Metzger, der letzte kleine Einzelhändler, der letzte Bäcker. Arbeitsplätze im Handwerk verschwinden, Läden stehen leer, werden umgenutzt als Büro, Agentur oder als Wohnraum.

Sterbehilfe für’s Lebensmittelhandwerk?

Nein: Wir Konsumenten schauen nicht nur zu, wir tragen selbst unseren Teil dazu bei! Wir wissen eigentlich genau, dass die verpackte Ware im Supermarktregal oder die Brötchen vom Großbäcker weniger taugen und noch weniger schmecken. Trotzdem gibt es viele Gründe, nicht (mehr) beim Handwerksbäcker um die Ecke einzukaufen. Bequemlichkeit, Gedankenlosigkeit, und für Einige auch der höhere Preis. 

Die neue Filiale des Großbäckers im Supermarkt bringt so ganz schnell einen bald tödlichen Umsatzverlust für die noch bestehenden Betriebe in der Umgebung. In den letzten 10 Jahren haben 30% der Bäckereien dicht gemacht! 

Im Betrieb sind es die frühen Arbeitszeiten, die viele junge Menschen abschrecken, mit Freude den Bäckerberuf zu wählen. Oft scheitert es schließlich am fehlenden Nachfolger – oder auch an einem fehlenden zukunftsfähigen Konzept. Wenn ein Handwerksbäcker mit Fertigmischungen arbeitet und wenn man den Unterschied zum Großbäcker nicht mehr sieht und vor allem schmeckt! dann ist sein berufliches Ende nah.

Wie kommen wir aus dem tödlichen Bermuda-Dreieck von Großbäckereien, bequemer Kundschaft, fehlenden Ideen und fehlendem Nachwuchs raus? 

In Herrenberg, tief im Württembergischen, gibt es einen Bäcker, der „über den Backblechrand raus“ gedacht hat. Jochen Baier*, sicherlich eine Ausnahmeerscheinung im Bäckerhandwerk, hat vorgemacht, mit welchen persönlichen „Zutaten“ eine Bäckerei von 1835, bei der meine Urgroßeltern schon eingekauft haben, heute gut (über)leben kann. Trotz Großbäckereien, Preisdruck und Nachwuchsmangel.

Für unsere Situation in den Dörfern und kleinen Gemeinden des Rhein-Lahnkreises braucht es mehr Interesse bei uns Kunden und Kundinnen an qualitätsvollen Handwerksprodukten. Aber genauso braucht es engagierte Menschen im regionalen Lebensmittelhandwerk und einen politischen Rahmen: Stichwort Energiepreise und Reglementierungen!!, der eine Wiederbelebung der Orte aktiv unterstützt. 

Rheinlahner.de Wir! Im Rhein-Lahn-Kreis stehen für ein solches Denken über den Backblechrand hinaus und zeigen dafür gelingende Beispiele im Kreis. 

Klaus Amann

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