Der REDE wert! Diez: fünf Jahre Business Improvement District (BID) – und dann?
„An den Stadträndern begannen Einkaufszentren aus dem Boden zu schießen. Diese imposanten Konsumtempel boten eine glanzvolle Auswahl an Kosmetik, Spielzeug, Haushaltswaren und Mode. Die Anwohner legten ihre alten Einkaufsgewohnheiten ab und steuerten direkt die Einkaufszentren an. Für die lokalen Geschäfte bedeutete dies jedoch nichts Gutes.“
Diese Beschreibung findet man auf der Homepage von →Bloor West Village BIA, einem Stadtviertel von Toronto. Es ist der Moment der weltweit ersten Business Improvement Area (BIA/BID), die 1970 im fernen Kanada entstand.
Schon damals ging es darum, den negativen wirtschaftlichen Folgen des veränderten Konsumverhaltens für die innerstädtischen Viertel aktiv zu begegnen. Viele Geschäfte und die städtische Gastronomie machten zu, weil die Menschen nun nach draußen in die „Shopping Malls“ fahren konnten und dort alles Interessante zum Konsumieren vorfanden. Bei uns sind es heute „Factory-Outlets“ wie in Montabaur, die Kaufkraft und Käufer aus dem weiten Umland anziehen und die Zukunft der Innenstädte nachhaltig bedrohen.
Eine zusätzliche, mindestens so große Existenzgefahr ist unser Einkaufen per Klick. Die Menschen bleiben vermehrt weg aus den Innenstädten und so sinkt die Attraktivität für Neueröffnungen und der Umsatz bestehender Geschäfte weiter. Ein Teufelskreis.
Seit zweieinhalb Jahren versuchen Diezer Geschäftsleute und Bürger als BIDiez e.V. mit einem eigenen, landesgeförderten →„Business Improvement District“ die Kehrtwende in Wilhelmstraße, Rosenstraße, Marktstraße und auf dem Marktplatz. Verschönerung und Begrünung des öffentlichen Raumes, Gestaltung des Leerstandes, neue „Treffs“ auf dem Marktplatz und eine sichtbare Präsenz des städtischen Geschehens im digitalen Raum sind die Marketing-Mittel dazu. Mit Nina Fischer gibt es eine rührige Managerin, deren Quartiers-Arbeit für fünf Jahre aus Fördermitteln des Landes finanziert wird. Wie wird das weitergehen?
Blicken wir nochmal auf die weltweit erste BIA/BID in Toronto. Die gibt es nach 56 Jahren tatsächlich immer noch! Und nicht nur das: es gibt →85 weitere solcher gemanagter Quartiere mit 45.000 Mitgliedern in Toronto. Toronto ist dadurch bis heute eine überaus lebendige und touristisch attraktive Stadt. Sie gilt auch als →die Stadt der Nachbarschaften. Der genauere Blick auf die →Homepage der koordinierten BIA macht klar, dass der dauerhafte Erfolg dieses Business Improvements und lebendiger Nachbarschaftsbezirke voraussetzungsvoll ist. Und vor allem: Sie ist eine Daueraufgabe der Stadt und ihrer Bürger!
Diese Daueraufgabe setzt funktionierende Nachbarschaften voraus.
Einkaufszentren funktionieren, wenn sie strategisch gemanagte Erlebniswelten für ein definiertes Publikum sind. Sie sind durchgeplante Dauerevents.
Innerstädtische Quartiere brauchen lebendige und aktive Nachbarschaften um dauerhaft ökonomisch und kulturell zu funktionieren. Aus einer vorhandenen Vielfalt einzelner Immobilienbesitzer und Mieter muss eine dauerhafte Interessengemeinschaft geformt werden. Da erscheint es mir merkwürdig, dass zwei Jahre lang anscheinend keine Versammlung des BIDiez e.V. stattgefunden hat.
Hier braucht es in den kommenden zweieinhalb Jahren eine deutliche Intensivierung der gemeinsamen Überlegungen, Planungen und Taten mit möglichst vielen aktiven Beteiligten. Es sind meinem Eindruck nach zu wenige aktive Personen, die bisher ihren Beitrag dazu leisten. Die Stadt Diez und ihre politischen Verantwortungsträger können nicht erwarten, dass eine Teilzeit-Quartiersmanagerin eine solche Quartiersentwicklung im Alleingang bzw. wenigen Unterstützenden erfolgreich leisten kann.
Aktive Gemeinsamkeit belebt das Geschäft!
Von Klaus Amann
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