PV-Anlage in Winden – Meine Frau hat die richtige Idee gehabt, gesteht Ortsbürgermeister Gebhard Linscheid beim Tag der Offenen Tür .
Das Problem und die initiale Idee
Gebhard Linscheid und der Gemeinderat von Winden/Rhein-Lahn-Kreis wollten 2021 angesichts der zerstörten Waldfläche am Rande ihrer Gemeinde eine neue Zukunftschance mit nachhaltiger Energieerzeugung entwickeln. Nur: Forstflächen sind aus gutem Grund kein Ort für PV-Anlagen und flächige Umnutzungen. So wurde bei den ersten Gesprächen mit Kreisverwaltung, Verbandsgemeinde und insbesondere dem Forstamt im April 2022 klar, dass dies grundsätzlich überall gilt, auch für die von Trockenheit und Borkenkäfer zerstörte Fläche im Gemeindewald von Winden.


Was tun? Miteinander reden und eine gute Lösung finden!
Der übliche Weg wäre nun gewesen, die sogenannte Kalamitätsfläche oberhalb der Windener Kita neu aufzuforsten. Dieser Gemeindewald war lange Jahre, so formulierte es Gebhard Linscheid bei seiner Ansprache beim Tag der Offenen Tür am Samstag, die „Barkasse“ der Gemeinde, um Investitionen im Ort mit finanzieren zu können. Mit einer Aufforstung wäre jedoch Jahrzehnte lang kein Geld mehr aus diesem Forstbereich geflossen.
Nun kam aber die praktische und ganz konkrete Frage von Rita Linscheid an ihren Mann: Kannst du nicht einfach mal im Umweltministerium anfragen, ob es nicht doch einen Weg gibt, hier eine PV-Anlage zu bauen? Das tat Gebhard Linscheid. Und ein Jahr später, nach vielen Gesprächen und Überlegungen im damaligen Ministerium von Kathrin Eder (Grüne) entstand eine neue Regelung, die seither Ausnahmen auf Kalamitätsflächen erlaubt.
Inzwischen war nämlich durch Klimawandel und Ukrainekrieg klar geworden, dass regenerative Energieerzeugung im sogenannten „überragenden öffentlichen Interesse“ und im Interesse der öffentlichen Sicherheit liegen und deshalb begründete Ausnahmen möglich sind.
Vorübergehend errichtet und ohne Geld aus dem EEG!
Bei der Genehmigung der nun entstandenen Freiflächenanlage handelt es sich um eine zeitlich befristete Genehmigung! Darüber hinaus bekommen die Betreiber keinerlei Subventionen und Zuschüsse für den eingespeisten Strom. Am Ende der Nutzung muss ein kompletter Rückbau der Anlage erfolgen.
Eine weitere Besonderheit: Drei Teile der Freiflächenanlage
Eine weitere Besonderheit ist die Art und Weise, wie diese PV-Anlage betrieben wird. Sie wurde so gebaut, dass technisch drei Anlagen auf der Fläche installiert wurden, die zum einen der Gemeinde mit 51%, zum anderen der Genossenschaft →pro regionale Energie eG zu 28% und zum dritten zu 21% dem regionalen Energieerzeuger →Süwag Grüne Energien und Wasser AG & Co. KG gehören.
Die Wertschöpfung der gesamten Anlage bleibt in der Region und damit im Rhein-Lahn-Kreis!

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung ließen es sich nicht nehmen, bei der Feierveranstaltung einen gemeinsamen Erfolg zu feiern, auch wenn die Beiträge dazu durchaus unterschiedlich waren. Staatssekretärin Dr. Kristina Brixius in Vertretung ihrer Ministerin, die das Projekt von ihrer Vorgängerin Eder „geerbt“ hat, Landtagspräsident Matthias Lammert, die frühere Umweltministerin und jetzige Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Kathrin Eder, und der VG-Bürgermeister Uwe Bruchhäuser waren zugegen und sprachen ihre Grußworte. Axel Menze als Geschäftsführer der SÜWAG Grüne Energien und Wasser und Inge Vergin als Vorständin der Genossenschaft pro regionale energie eG ergänzten als Mitverantwortliche die Perspektive des Ortsbürgermeisters Linscheid.


Die Errichter im Gespräch mit den interessierten Besuchern
Beim Rundgang wurde die zahlreichen Fragen der Gäste fachkundig beantwortet. So beispielsweise die nach den Fundamten der einzelnen „Tische“ der PV-Anlage. Die waren hier nicht notwendig. Die Stahlstützen wurden 1,8m tief in den Boden getrieben. Fundamente gibt es auf dem Gelände nur bei den technischen Bauten/ Transformatoren. Die Anlage hat eine Ost/Westausrichtung, so dass die Stromausbeute sich regelmäßiger über den Tag verteilt (anders als bei einer reinen Südlage). Rechnerisch reicht der Strom für etwa 2000 Haushalte. Die Nähe einer geeigneten Einspeisestelle für den erzeugten Strom ins öffentliche Netz war in jeder Hinsicht vorteilhaft für die Realisierung des Projekts. Trotzdem wird schon über die Möglichkeiten der lokalen Errichtung eines Speichers nachgedacht, der den ökonomischen und ökologischen Nutzen der Anlage weiter verbessern könnte.

Mit dabei waren auch die vierbeinigen Mitarbeiter der →Schäferei Määhwerk mit ihrem Schäfer Trach aus dem benachbarten Seelbach. Sie haben den Arbeitsauftrag, zukünftig für abgeweidete Grünflächen unter den aufgeständerten Modulen zu sorgen.

Natürlich hatte und hat dieses Projekt im Entstehungsprozess seine Kritiker gefunden. So war für die benachbarte Kindertagesstätte die technische Veränderung ihrer unmittelbaren Umwelt eine „Kröte“, die sicher noch verdaut werden muss. Andererseits wiesen einige Redner bei dieser Veranstaltung nicht zu Unrecht darauf hin, dass Projekte wie diese Freiflächenanlage Teil einer Zukunftssicherung sind, die gerade den zukünftigen Generationen eine positive Perspektive sichern helfen.


Die neue Ladestation an der KiTa in Winden wird demnächst in Betrieb gehen.
Von Klaus Amann
Photos © 2026 by Klaus Amann

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