Worauf es beim Wählen ankommt – wenn man überhaupt die Wahl hat
Ich habe den bisher einzigen Kandidaten fürs Bürgermeisteramt von Bad Ems – Markus Bodo Wieseler – noch nie getroffen. Das wird sich nach dem → Artikel von Andy Walther vermutlich ändern. Für meine folgenden Gedanken ist das allerdings nebensächlich.
Macht Ihr hier Wahlwerbung?
Diese Frage wurde uns von Rheinlahner.de inzwischen mehr als einmal gestellt. Ich hatte sie selbst direkt im Kopf, als ich die erste Ankündigung des Artikels gelesen hatte. Nachdem er hier im Rheinlahner.de stand, verstand ich, worum es Andy dabei geht.
Es geht zum einen um seine Perspektive auf Politiker und Politik, auf das Amt und die Aufgaben von Bürgermeistern in unseren Gemeinden. Und zum anderen darum zu analysieren, ob Markus Bodo Wieseler aus dieser – seiner – Perspektive ein passender Kandidat ist. Sein Ergebnis: ja, so ist es. Die Argumente dazu stehen im Artikel schwarz auf weiß.
Wähler brauchen eine echte Auswahl
Das ist die erste Voraussetzung fürs demokratische Wählen. Die haben die Wählerinnen und Wähler in Bad Ems noch nicht. Und bei den letzten Bürgermeisterwahlen in unseren Gemeinden war dies in sehr vielen Orten so. In 523 Gemeinden gab es sogar → niemanden, der das Amt überhaupt wollte. Und dort wo es nur eine oder einen gab, konnten die Wählenden nur mit ja oder nein entscheiden. Sie hatten keine Wahl! Warum ist das immer mehr so?
„Darum reißt sich doch keiner.“
Wer den politischen Alltag in Parteien und politischen Ämtern kennt, hat darauf Antworten. Und die sind nicht unbedingt ermutigend für Demokraten und unsere Demokratie. Unsere politischen Funktionsträger – von der Ortsgemeinderätin bis zum Bundeskanzler – werde immer mehr als Haupt- oder gar Alleinverantwortliche für all die Unzulänglichkeiten und wahrgenommenen Fehler in unserem Gemeinwesen verantwortlich gemacht. Diese Wahrnehmung erscheint zunächst nicht so ganz verkehrt. Vor allem deshalb, weil etliche der politischen Funktionsträger, solange sie noch Kandidierende sind, in der Öffentlichkeit genau so tun als ob sie alles zum Besseren wenden könnten sobald sie am Ruder sind. Und sobald sie das Ruder in der Hand haben, ganz lautstark auf die vorhandene Gegenströmung und „überraschend“ auftauchende Stromschnellen verweisen.
Das hat auf Dauer Folgen für eine freudige Bereitschaft, freiwillig politische Ämter zu übernehmen und sich überhaupt als Kandidat oder Kandidatin zur Verfügung zu stellen. Das gilt ganz besonders für die ehrenamtlichen politischen Positionen und zeigt sich direkt in den seit Jahren schrumpfenden Bewerberfeldern für Bürgermeisterposten.
Politikverdrossenheit von Berufs-Politikern
Ein kurzer Blick in die „große“ Politik zeigt, wie prominente Politiker und Politikerinnen ihre Bereitschaft in verantwortungsvollen Ämtern und Parteifunktionen zu agieren verloren haben. Das aktuellste und prominenteste Beispiel ist Bärbel Bas. Ein lehrreiches ist → Kevin Kühnert. Sein Wechsel auf die andere (und bessere?) Seite des Politischen als „Finanzlobbyist“ war seine persönliche Flucht aus einer politikintern grassierenden → Politikverdrossenheit. Heute ist Kühnert – wie zunehmend auch viele jüngere Menschen, die generell die sogenannten Parteien der Mitte als Mitglieder eher meiden – zivilgesellschaftlich und außerhalb von Parteibindung und öffentlichen Ämtern mit hohem politischem Engagement aktiv.
DAS ist die positive Nachricht: Wirksame und verändernde Politik findet durch engagierte Menschen in der Mitte der Gesellschaft und im Alltag der Gemeinden und Städte tatsächlich in große Umfang statt! Und damit meine ich das, was mit der ursprünglichen und umfassenderen Bedeutung von POLITIK gemeint ist. Ob in öffentlichen politischen Ämtern, in Parteiämter oder im unterschiedlichsten zivilgesellschaftlichen Engagement. Gemeint ist damit das Gegenteil von privatem Interesse, das wir alle als Einzelne haben und wofür wir als Einzelne stehen.
Wahlwerbung – anders verstanden!
Wir von Rheinlahner.de stehen für Menschen ein, die in dieser umfassenderen Bedeutung des Politischen bereit sind, Verantwortung für die öffentliche Sache (lateinisch: res publica, der Wortursprung von „Republik“) zu übernehmen oder übernehmen wollen.
Oder auch die, die mit ihrem privaten Engagement aus unserer Sicht zugleich der öffentlichen Sache dienen (wollen). Für Menschen, die gezeigt haben und zeigen, dass das Gemeinwohl für sie mindestens so wichtig ist wie das eigene Wohl – und den Unterschied verinnerlicht haben!
Professionelle Macher und Gestalter, insbesondere die, die dabei auf ihre persönliche „Parteiferne“ verweisen, haben heute als Bürgermeisterkandidaten eher gute Karten beim Wahlvolk als solche, die vor allem als gute Verwalter für sich werben und als Parteivertreter erkennbar sind. Mit „Machern“ wird die Hoffnung verbunden, dass sie in ihrem zukünftigen politischen Job die Kompetenzen ausspielen können, die sie sich in ihrem bisherigen Leben erfolgreich erarbeitet und gezeigt haben.
Da gibt es doch wohl noch mehr in Bad Ems?! Traut euch! Im Sinne einer lebendigen Demokratie und einer echten Wahl!
© Von Klaus Amann

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