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Wenn ein Dorf zusammen anpackt, bleibt Heimat lebendig – die stillen Macher unserer Dörfer

WIR für Seelbach zeigt eindrucksvoll, warum Ehrenamtliche – oft liebevoll „Rentnerband“ genannt – für viele Dörfer nicht nur im Rhein-Lahn-Kreis heute unverzichtbar sind

Rhein-Lahn-Kreis / Seelbach. Es gibt Geschichten, die erzählen in wenigen Minuten mehr über das Leben auf unseren Dörfern als lange Reden, Programme oder schöne Sonntagsworte. Die Geschichte von → WIR für Seelbach ist eine solche Geschichte.

Da treffen sich Menschen nicht, weil sie müssen. Sie treffen sich, weil sie ihr Dorf mögen. Weil sie sehen, was getan werden muss. Weil ein Weg wieder begehbar gemacht, etwas repariert, ein Platz verschönert oder einfach gemeinsam angepackt werden soll. Ohne großes Aufheben. Ohne viel Gerede. Und offenbar auch ohne die Frage: „Wer ist denn eigentlich zuständig?“

Genau solche Bauhoftruppen, die in manchen Dörfern auch liebevoll Rentnerband genannt werden, braucht es heute auf unseren Dörfern im Rhein-Lahn-Kreis mehr denn je.

Nicht warten, sondern machen

Unsere Dörfer haben viel Schönes: Heimat, Natur, Nachbarschaft, Geschichte, Vereine und Menschen, die sich kennen. Aber sie stehen auch vor Herausforderungen. Vieles, was früher selbstverständlich war, gibt es nicht mehr oder nicht mehr in der Form wie einst: den Laden um die Ecke, kurze Wege zu Dienstleistungen, junge Menschen, die dauerhaft vor Ort bleiben, oder ausreichend Geld in den kommunalen Kassen für alles, was wünschenswert und notwendig wäre.

Natürlich kann und darf ehrenamtliches Engagement nicht jede öffentliche Aufgabe ersetzen. Das wäre weder richtig noch fair. Aber es kann etwas leisten, was keine Verwaltung und kein Beschluss allein schaffen kann: Es kann das Gefühl vermitteln, dass ein Dorf nicht nur aus Häusern, Straßen und Grundstücksgrenzen besteht.

Ein Dorf lebt von Menschen, die sich verantwortlich fühlen.

WIR für Seelbach zeigt genau das. Die Bauhoftruppe wartet nicht lange darauf, dass irgendjemand anderes kommt. Dort wird gemeinsam überlegt, wer helfen kann, welches Werkzeug gebraucht wird und wie man eine Sache ordentlich hinbekommt. Dann wird angepackt. Praktisch, unkompliziert und gemeinsam.

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Die Bauhoftruppe „WIR für Seelbach“

Viele Namen, gleiche und gemeinsame Haltung

WIR für Seelbach steht nicht allein. Im Rhein-Lahn-Kreis gibt es erfreulicherweise einige ähnliche Gemeinschaften. Mal heißen sie Bauhoftruppe, mal Dorfhelfer, mal Arbeitsteam – und in manchen Orten auch ganz liebevoll und mit einem Augenzwinkern Rentnerband.

Diese Namen sind unterschiedlich. Die Haltung dahinter ist aber meistens dieselbe: Menschen nehmen ihr Dorf nicht als selbstverständlich hin, sondern sehen es als gemeinsame Aufgabe. Sie mähen, streichen, reparieren, räumen auf, pflegen Anlagen, bauen etwas auf, helfen bei Festen und sind oft zur Stelle, wenn kurzfristig eine helfende Hand gebraucht wird.

Gerade die Bezeichnung „Rentnerband“ ist dabei häufig ein Kompliment. Viele dieser Männer und Frauen haben nach einem langen Arbeitsleben nicht einfach aufgehört, etwas zu leisten. Sie bringen handwerkliches Können, Lebenserfahrung, Zeit und Verantwortungsgefühl ein. Und sie zeigen damit: Ruhestand bedeutet nicht Stillstand.

Ein WIR ohne großes Drumherum

Das Besondere an WIR für Seelbach ist aus meiner Sicht nicht nur, was dort gemacht wird. Es ist vor allem die Art und Weise.

Die Bauhoftruppe in Seelbach arbeitet ohne starre Vereins- oder Hierarchiestrukturen. Es gibt Menschen, bei denen Fäden zusammenlaufen, Menschen, die organisieren, und Menschen, die ganz selbstverständlich mithelfen. Aber im Mittelpunkt steht nicht ein Titel und auch kein Amt. Im Mittelpunkt steht das Dorf. → Bürgermeister Jürgen Ludwig unterstützt diese Aktivitäten, ohne die Bauhoftruppe vereinnahmen zu wollen. Das ist klug. Denn Eigeninitiative braucht Vertrauen, Raum und Anerkennung. Wer sich freiwillig engagiert, möchte ernst genommen werden. Nicht ständig belehrt oder ausgebremst werden.

→ Thomas Gebenroth ist einer der Menschen, bei denen bei WIR für Seelbach vieles zusammenläuft. Doch dass seine Mitstreiter so selbstverständlich von „unserer“ Bauhoftruppe sprechen, sagt eigentlich alles: Hier arbeitet niemand für die eigene Bühne. Hier wird gemeinsam etwas für Seelbach getan.

Und wenn Claudia Gebenroth sagt: „Wir sind hier wie eine große Familie. Wir sind füreinander da und wir tun alle gemeinsam – Hand in Hand – etwas für unser Dorf Seelbach!“, dann ist das keine hübsche Floskel. Es ist spürbar gelebte Wirklichkeit.

Das Wertvollste im Dorf…

…ein dorfeigener Schlepper, ein Kippanhänger und gutes Werkzeug sind wichtig. Sie helfen dabei, Aufgaben zuverlässig und wirtschaftlich zu erledigen. Aber das Wichtigste ist nicht die Maschine. Das Wichtigste sind die Menschen, die sie nutzen.

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Ein gepflegter Weg, eine reparierte Bank, ein sauberer Platz oder ein gelungener gemeinsamer Einsatz wirken auf den ersten Blick vielleicht klein. Aber sie haben eine große Wirkung. Sie machen sichtbar: Hier schaut jemand hin. Hier übernimmt jemand Verantwortung. Hier ist es nicht egal, wie es im Dorf aussieht und wie es den Menschen geht.

Vielleicht ist das auch der größte Wert solcher Bauhoftruppen und Rentnerbands: Sie sparen nicht nur Geld, sie schaffen Vertrauen. Sie bringen Menschen verschiedener Generationen zusammen. Sie machen aus Nachbarn Bekannte – und aus Bekannten manchmal Freunde.

In Seelbach wird geschafft. Und danach wird auch zusammen gefeiert. So soll es sein. Denn Gemeinschaft entsteht nicht allein beim Arbeiten. Sie entsteht auch beim gemeinsamen Schoppen, beim Lachen, beim Erzählen und beim Gefühl: Wir haben heute zusammen etwas Gutes für unser Dorf getan.

Genau darüber berichten

Menschen interessieren sich für nichts mehr als für andere Menschen. Das war schon immer so. Und genau deshalb ist es wichtig, dass Lokaljournalismus hinschaut, zuhört und solche Geschichten erzählt.

Nicht nur über Sitzungen, Streit, Zahlen und Beschlüsse berichten – obwohl auch das manchmal notwendig ist. Sondern auch davon, was im Alltag tatsächlich passiert: Wer stellt etwas auf die Beine? Wer hält zusammen? Wer packt an, wenn andere vielleicht nur mit den Schultern zucken? Das ist für mich Lokaljournalismus, wie er sein sollte: nah an den Menschen, ehrlich, interessiert und mit Respekt vor dem, was andere leisten. Nicht künstlich groß machen. Aber auch nicht kleinreden oder übersehen.

WIR für Seelbach ist kein Modell, das man einfach kopieren kann. Jede Dorfgemeinschaft ist anders. Aber es ist ein wunderschönes Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn Menschen miteinander reden, einander vertrauen und gemeinsam handeln.

Unser Rhein-Lahn-Kreis braucht solche Bauhoftruppen, Dorfhelfer und Rentnerbands. In Seelbach gibt es sie bereits. Und dafür kann man dem Dorf und allen Aktiven nur von Herzen Danke sagen.

Von Andy Walther in Kooperation mit → 56 Aktuell 
Fotos © 2023 by Andy Walther

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