Bad Ems: Zwischen Kaiserbad, Kultur und neuer Politik
Kann Bodo Wieseler Bürgermeister? Ein Spaziergang durch Bad Ems…
Rhein-Lahn-Kreis / Bad Ems. Ich starte meinen Spaziergang am Kurhaus. Der Morgen ist frisch, die Luft klar, und über der Lahn hängt noch ein leichter Nebelschleier. Genau so stelle ich mir einen perfekten Herbsttag in Bad Ems vor. Kein Stress, kein Hetzen, einfach nur gehen, schauen und genießen.
Der Kurpark: Wo die Zeit langsamer wird
Der erste Halt ist natürlich der Kurpark. Wer hier sitzt, versteht sofort, warum Adelige und Künstler vor mehr als hundert Jahren so gerne hierherkamen. Breite Wege, alte Bäume, blühende Blumenbeete und immer wieder der Blick auf die Lahn – das ist kein Zufall, sondern durchdachtes Konzept.
Früher trafen sich hier die feinen Herrschaften zum „Brunnenspaziergang“. Heute trifft man sich hier zum Spaziergang mit Hund, Kinderwagen oder einfach mit einem Kaffee in der Hand. Der Unterschied: Damals trug man Gehrock und Hut, heute trägt man, was bequem ist. Die Entspannung ist geblieben.
Ich setze mich auf eine Bank und beobachte. Eine ältere Dame füttert die Enten. Ein junger Vater schiebt den Kinderwagen und erklärt seinem Sohn, warum die Blätter rot werden. Ein Jogger läuft vorbei, nickt freundlich. Alles ganz normal. Und doch spürt man: Hier ticken die Uhren ein bisschen anders.
Besonders im Herbst zeigt sich der Kurpark von seiner schönsten Seite. Die Blätter verfärben sich, die Luft wird klarer, und wer früh genug kommt, kann fast schon meditativ beobachten, wie der Nebel über der Lahn langsam aufsteigt. Perfekt für alle, die im Alltag zu wenig zur Ruhe kommen – oder für alle, die einfach mal eine Pause vom eigenen Gedankenkarussell brauchen.




Die Promenade: Flanieren wie anno dazumal
Weiter geht’s zur Promenade. Die Promenade in Bad Ems ist so etwas wie die Bühne der Stadt – das Filetstück. Hier zeigt man sich, hier trifft man sich, hier wird geredet, gelacht und manchmal auch ein bisschen getratscht. Früher war das die große Bühne für die internationale High Society. Heute ist es die große Bühne für alle, die gerne durch Bad Ems schlendern.
Entlang der Promenade reihen sich historische Gebäude aneinander: das Kurhaus, der Kursaal, das Kurtheater, der Russische Hof. Jedes dieser Gebäude hat seine eigene Geschichte. Jedes könnte Bände erzählen von den Menschen, die hier ein- und ausgingen. Richard Wagner hat hier gewohnt. Dostojewski hat hier gewettet – und verloren. Kaiser sind hier abgestiegen. Und heute? Heute sitzen Touristen auf den Bänken, Einheimische gehen einkaufen, und irgendwo dazwischen versucht jemand, das perfekte Foto für die sozialen Medien zu machen.
Ich bleibe vor dem Kurtheater stehen. Die Fassade ist beeindruckend. Man kann sich fast vorstellen, wie hier früher die Kutschen vorfuhren und die Gäste in Abendgarderobe ins Theater strömten. Heute gibt es statt Kutschen Autos und statt Abendgarderobe alles, was bequem ist. Aber die Faszination ist geblieben.
Die Promenade verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf eine sehr natürliche Art. Man muss kein Historiker sein, um das zu spüren. Es reicht, einfach mal langsamer zu gehen, die Architektur zu betrachten und sich vorzustellen, wie es hier vor hundert oder hundertfünfzig Jahren ausgesehen haben mag.








Die Spielbank: Ein Blick von außen
Auf meinem Spaziergang komme ich auch an der Spielbank vorbei. Die älteste Spielbank Deutschlands ist nicht nur ein Ort des Glücks, sondern auch ein Stück lebendige Geschichte. Die Fassade ist elegant, die Architektur beeindruckend. Man spürt sofort: Hier wurde schon vor vielen Jahrzehnten um Glück, Nerven und manchmal auch um ein kleines Vermögen gespielt.
Ich betrete die Räume nicht, aber ein kurzer Blick von außen reicht, um die Atmosphäre zu erahnen. Früher reisten Aristokraten in Abendgarderobe an, um hier ihr Glück zu versuchen. Heute ist die Spielbank deutlich zugänglicher. Man muss kein Hochstapler aus einem alten Roman sein, um hier sein Glück zu versuchen. Wichtig ist nur: Man sollte wissen, wann man aufhört. Sonst wird aus dem schönen Abend in Bad Ems schnell eine sehr lehrreiche Erfahrung in Sachen Selbstbeherrschung.

Politik im Wandel: Neue Zeiten für Bad Ems
Beim weiteren Schlendern durch die Stadt kommt man an einem Thema nicht vorbei: Bad Ems steht vor einem politischen Wechsel. Oliver Krügel, seit 2019 Stadtbürgermeister von Bad Ems, wurde im September 2026 in einer Stichwahl mit 53,7 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau gewählt.
Krügel hatte schon vor seiner Wahl zum VG-Bürgermeister erklärt, dass er das Amt des Stadtbürgermeisters nur für eine kurze Übergangszeit weiterführen will. Jetzt sucht Bad Ems also einen neuen Stadtbürgermeister.
Der erste, der seine Kandidatur erklärt hat, ist → Markus Bodo Wieseler von der FDP. Wieseler sitzt bereits für die FDP im Bad Emser Stadtrat und will nun die Nachfolge von Oliver Krügel als Stadtbürgermeister antreten. Weitere Kandidaten stehen wohl aktuell noch nicht fest?! Das Rennen ist eröffnet.
Für eine Stadt wie Bad Ems ist das eine spannende Entwicklung. Ein neuer Stadtbürgermeister bedeutet neue Ideen, neue Schwerpunkte, neue Wege. Die Frage ist: Wie geht es weiter mit dem UNESCO-Welterbe? Wie entwickelt sich der Tourismus? Wie bleibt Bad Ems lebenswert für die Menschen, die hier wohnen?
Markus Bodo Wieseler wird in den kommenden Monaten sicher viele dieser Fragen beantworten wollen und ja „irgendwie“ auch müssen?! Und die Bürgerinnen und Bürger von Bad Ems werden entscheiden, wer ihre Stadt in die Zukunft führen soll. Vielleicht hat → Markus Bodo Wieseler ja Lust auf ein Interview dazu mit mir – für → rheinlahner.de?!
Aktuell in Bad Ems: Wasser, Philosophie und viel Musik
Bad Ems ist nicht nur schön anzusehen. Die Stadt hat auch inhaltlich einiges zu bieten. Im Oktober 2026 gibt es gleich mehrere Highlights, die zeigen, wie vielfältig das Programm ist.
Im Café Maxine läuft aktuell die Ausstellung „Bodies of Water“. Studierende der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Kunsthochschule Mainz verwandeln den Raum in einen begehbaren Erfahrungsraum rund ums Thema Wasser. Dazu gibt es Filme wie „The Lure“, ein bildgewaltiges Horror-Musical, und „Leviathan“, einen Dokumentarfilm über Hochseefischerei. Wer Wasser bisher nur aus der Flasche oder vom Hahn kannte, bekommt hier eine ganz neue Perspektive.
Am 11. Oktober findet im Marmorsaal „Weltklassik am Klavier“ statt. Susanna Kadzhoyan spielt Werke von Beethoven und Schumann. Eintritt: 30 Euro für Erwachsene, 15 Euro für Studenten, bis 18 Jahre kostenlos, Kurgäste zahlen 25 Euro.
Am 25. Oktober gibt es in der Pfarrkirche St. Martin ein internationales Orgelkonzert. Und wer Comedy mag, kann am 10. Oktober im Badhaus im Restaurant CARLS das Kabarett Casablanca erleben.
Dazu kommen regelmäßige Stadtführungen durchs UNESCO-Welterbe, Aurelia-Flussfahrten auf der Lahn und Live-Konzerte im Yellow Submarine Cafe. Bad Ems hat also auch im Herbst ein Programm, das keine Wünsche offenlässt.
Der perfekte Abschluss: Cappuccino bei Matteo Crocco
Zum Schluss meines Spaziergangs lande ich im Eiscafé Crocco bei Matteo Crocco. Ein Cappuccino darf es sein. Der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee liegt in der Luft, und die Atmosphäre ist genau das, was man sich nach ein paar Stunden unterwegs wünscht: gemütlich, entspannt, ziemlich original italienisch. Ich setze mich, nehme einen Schluck und lasse den Spaziergang noch einmal Revue passieren. Der Kurpark, die Promenade, die historischen Gebäude, die Menschen, die hier leben und arbeiten – alles fügt sich zu einem Bild zusammen, das zeigt: Bad Ems ist mehr als nur eine Stadt mit schöner Architektur. Es ist ein Ort, an dem man sich wohlfühlt.
Zurück am Startpunkt
Am Ende meines Spaziergangs lande ich wieder am Kurhaus. Die Sonne steht jetzt höher, der Nebel ist verschwunden, und die Stadt ist richtig erwacht. Ich habe vielleicht zwei, drei Stunden gebraucht, um diese kleine Runde zu gehen. Aber es fühlt sich an, als wäre ich einen ganzen Tag unterwegs gewesen.
Bad Ems ist kein Museum, in dem alles unter einer Glasglocke liegt. Die Stadt ist ein Ort, an dem Geschichte und Gegenwart sich begegnen – im Kurpark, auf der Promenade, in den Konzertsälen, in den kleinen Cafés und jetzt auch in der Politik.
Die Kaiser sind zwar nicht mehr da. Aber die Atmosphäre, die sie so geschätzt haben, ist geblieben. Und genau das macht Bad Ems zu einem Ort, an dem man gerne verweilt – sei es für ein paar Stunden oder für ein ganzes Wochenende.
Ich mache mich auf den Heimweg. Aber ich weiß schon: Das war nicht mein letzter Spaziergang durch Bad Ems.
Von Andy Walther in Kooperation mit → 56 Aktuell
Fotos © 2026 by Andy Walther






















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