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Römerkastell Holzhausen an der Haide: Der letzte Cicerone?!

Nicht nur ein Ausflugstipp

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…

Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer

fertig war

Die Maurer? Das große Rom

Ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie? Über wen

Triumphierten die Cäsaren?

…

(Auszug aus: Bertolt Brecht, Fragen eines lesenden Arbeiters)

Das große Rom hat seine Bau-Spuren auch im Rhein-Lahn-Kreis hinterlassen. Rainer Rehse ist Bewahrer und Kenner eines unserer wichtigsten historischen Bauwerke im Rhein-Lahn-Kreis: das Römerkastell bei Holzhausen an der Haide. In seinem Berufsleben war er kein akademischer Geschichtswissenschaftler. Rainer Rehse war Telekommunikationstechniker bei der Deutschen Bundespost (Telekom). Nach mehr als vier Jahrzehnten erlebte er die Auflösung dieses großen und zuletzt gesamtdeutschen Staatsunternehmens. Warum erzähle ich das? Weil dieses Ende das nicht ganz freiwillige Ende seines Arbeitslebens war – und zugleich ein Glücksfall für die andauernde, lebendige Bewahrung der antiken Geschichte unserer Heimat.

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Mit dem letzten Cicerone des Kastell Holzhausen in die lokale Vergangenheit reisen

Zusammen mit einer kleinen Gruppe interessierter Menschen treffen wir uns an einem sonnigen Sonntagnachmittag auf dem Wanderparkplatz an der Bäderstraße (B260) in der Nähe des Kreisels bei Holzhausen an der Haide. Von hier aus beginnt die gemeinsame, dreistündige Reise in die imperiale Vergangenheit unserer Heimat. Rainer Rehse ist unser ehrenamtlicher und ausgebildeter →Limes-Cicerone. Ganz nahe der heutigen Landesgrenze zu Hessen, auf dem Boden der Verbandsgemeinde Nastätten ist die römische Antike unmittelbar sichtbar und jederzeit zu besichtigen. Dass das so ist und bis heute so geblieben ist, dafür sorgt aktuell Rainer Rehse. Der gebürtige Hesse wohnt seit über 35 Jahren mit seiner Frau und seinem Sohn in Mittelfischbach in der VG Aar-Einrich.

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→ Karte des Obergermanisch-Raetischen Limes

Die Grenze zwischen dem Römischen Reich und dem freien Germanien verläuft mitten durch den heutigen Rhein-Lahnkreis

Seit 15 Jahren ist Rainer Rehse ein Limes-Cicerone: ein kundiger und geschulter Führer mit tiefem Wissen über das Römische Reich und ganz besonders den Limes und seine Befestigungs- und Bewachungsbauwerke. Dieses Wissen reicht vom großen Ganzen imperialer Herrschaft der Römer bis zum gelebten Alltag des einfachen Fußsoldaten im Kontakt mit der Bevölkerung jenseits der damals trennenden Grenzlinie. Er weiß Bescheid über die Organisation der römischen Truppen, über die Bauweisen, Details und Restbestände der hiesigen Grenzbefestigungen bis hin zu den konkreten Lebensweisen der Menschen, die die römische Fremd-Herrschaft als Legionäre über Jahrhunderte gegenüber dem freien Germanien auf der anderen Seite aufrechterhielten.

Viele im Rhein-Lahn-Kreis wissen es nicht: Hier befindet sich mitten im Wald unweit von Holzhausen an der Haide eines der besterhaltenen Limeskastelle Deutschlands! Hier waren römische Truppen stationiert und lebten ihren Alltag als Beschäftigte des Römischen Reichs.

Das Weltkulturerbe braucht seine freiwilligen Fußtruppen

„Hier siehst du all die Kolleginnen und Kollegen, die mit mir damals die Ausbildung zum Cicerone gemacht haben,“ zeigt mir Rainer Rehse auf einem frühen Flyer der →Interessengemeinschaft Limeskastell Holzhausen. Tatsächlich ist die Gruppe der acht Aktiven in der Interessensgemeinschaft in den letzten Jahren aus Gesundheits- und Altersgründen immer kleiner geworden.

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Die Enthusiasten von der Interessensgemeinschaft (Bild vom ersten Flyer)

Aktuell ist es Rainer Rehse, der hier als der letzte aktive Cicerone wirkt! Nach wie vor bietet er zu jeder Jahreszeit seine Führung an. Die Herbstführung findet am 15. November ab 13 Uhr statt. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.

Die Auszeichnung als Weltkulturerbe. Der obergermanisch-rätische Limes ist historisch einmalig!

2005 war der Moment, in dem die Vereinten Nationen den sogenannten →obergermanisch-rätischen Limes offiziell zum Weltkulturerbe ernannt haben. Er ist ein einmaliger und kulturell bedeutender Teil der viele tausende Kilometer langen Außengrenze des Römischen Reichs. Er ist mit der Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal (2001) und der Kurstadt Bad Ems (2021) eine der drei Welterbestätten im Rhein-Lahn-Kreis.

Anders als die vielen religiösen und anderen Prachtbauten, die ebenfalls den Ehren-Titel eines Welterbes tragen dürfen und deren Monumentalität jeder Besucher sofort erkennen kann, ist der Limes ein historischer Schatz, dessen Faszination den Besucher nicht so leicht erfasst.

Der Limes braucht Menschen wie Rainer Rehse, die es durch ihre Person und ihre eigene Begeisterung schaffen, uns in Verbindung mit diesem Teil unserer Geschichte zu bringen.

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 „Lasst uns zusammen eine Reise durch das Römische Reich machen“.

Mit dieser Aufforderung und mit aus der Tasche gezogenen, vorbereiteten Folien nimmt uns Rainer Rehse auf eine große Phantasiereise mit. Eine Tour im weiten Bogen von Holzhausen nach Südosten entlang des obergermanisch-rätischen Limes über die Weiten Südosteuropas, und weiter durch den Norden Afrikas, über die spanische Halbinsel und zurück nach Norden, immer durch den Herrschaftsbereich des römische Reichs, ohne Zwischenstationen auf dem italienischen Stiefel und in Rom. Schließlich landen wir wieder am Limes in Holzhausen.

Damit hat Rainer Rehse uns interessierte Besucherinnen und Besucher den Zusammenhang des historischen Ortes nahe Holzhausen und dem Großen und Ganzen des Römischen Reichs nachvollziehbar gemacht. Bei unserem weiteren Erkundungsgang bekommen wir von ihm unseren Blick geschult für die mit geschultem Blick erkennbaren Spuren des ehemaligen Grenzverlaufs und der überragenden historischen Bedeutung des Limes als politischer Grenzmarkierung des ersten europäischen Staatsgebildes.

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Oft ist es dabei nicht viel mehr als das: ein sichtbar verändertes Geländeprofil mit einem angedeuteten Wall und einer von uns aus davor erkennbaren grabenähnlichen Vertiefung. Unser Cicerone nutzt den Weg zum Kastell und diese sichtbaren Spuren, um uns die Kulturgeschichte der römischen Besatzungsmacht und die Geschichte des Limes lebendig zu machen.

Grenzen, Tore und die Vergänglichkeit kulturellen Erbes 

Schließlich sind wir zusammen am Haupttor (Porta Praetoria) des Kastells angekommen. Rainer Rehse breitet weitere Ansichten und Veranschaulichungen auf der Mauer aus.

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Hier erfahren wir nicht nur etwas über die besonderen Eigenschaften des Bauwerks. Es hat nämlich jenseits seiner eher kurzen politisch-militärischen Bedeutung und seiner konkreten Nutzung als Militärlager im Römischen Reich eine insgesamt wesentlich längere Forschungs- und Ausgrabungsgeschichte. Man geht heute davon aus, dass dieses Kastell nur etwa 75 Jahre genutzt und dann bereits 260 nach Chr. aufgegeben wurde.

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Bild von der Porta Praetoria bei den Ausgrabungsarbeiten

Ende des 19. Jahrhunderts und wesentlich bedingt durch die Gründung des Deutschen Reichs (1871) kam es zu einer Bündelung und Intensivierung der historisch-akademischen Forschung durch die →Reichs-Limeskommission. Rainer Rehse macht uns in seinen Erzählungen zum Kastell und den hier stattgefundenen Grabungen und archäologischen Forschungen klar, dass auch das Wissen um und die Deutung von historischen Fakten selbst eine wechselhafte und niemals abgeschlossene Geschichte haben.

Hat die römische Vergangenheit eine Zukunft bei uns?

Wie geht die konkrete Geschichte des lokalen Welterbes weiter? Ist die Interessensgemeinschaft Limeskastell auch bald Geschichte? Rainer Rehse weist uns immer wieder darauf hin, welchen Gefährdungen dieses Kulturerbe ausgesetzt ist. Immer wieder kommt es vor, dass sichtbare illegale Grabungsversuche von Unbekannten unternommen werden. Die Forstbewirtschaftung im Bereich des Limes kommt mit ihren schweren Maschinen den im Boden verborgenen Teilen des Limes manchmal zu nahe.

Aber auch das aus persönlichen Gründen immer geringer gewordene Engagement der ehrenamtlichen „Fußtruppen“ zur Erhaltung unserer archäologischen Schätze stellt eine Bedrohung für das Kulturerbe dar. Der Wald und die Natur beginnen erneut, sich die freigelegten Überreste zu erobern. Bekommen die Limes-Cicerones der ersten Stunde des Holzhausener Kastells Nachfolgerinnen und Nachfolger?

Nach drei intensiven, lehrreichen und oft nachdenklich machenden Stunden sind wir zurück am Startpunkt unserer Führung. Ein großer und herzlicher Dank an Rainer Rehse!

Interessengemeinschaft Limeskastell Holzhausen: →Terminkalender

Von Klaus Amann

Photos © 2026 by Klaus Amann

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